Wem beim Zusammenbauen eines Möbels schon einmal die entscheidende Schraube abhandengekommen ist, dem stellen sich beim Blick aufs obige Foto möglicherweise die Nackenhaare auf. Denn das Wimmelbild, das auf den ersten Blick wie der lose Inhalt eines Modellbau-Sets aussieht, ist echt: Vier Mechaniker der Bundespolizei-Hubschrauberstaffel in Oberschleißheim im Landkreis München haben die Bauteile eines komplett zerlegten Einsatzhelikopters vom Typ EC 135 zu einer Collage zusammengepuzzelt – und sich dann fürs Foto dazugelegt (unten Mitte).
Damit hat das Quartett alles getoppt, was bisher an Bildern von ausgeräumten Einsatzfahrzeugen aus der ganzen Welt im Internet kursierte. Denn es auch noch auseinanderzunehmen: Das ist neu. Man könnte also sagen: Die Bundespolizei Oberschleißheim hat die „Tetris Challenge“ gewonnen. Der seit einigen Monaten kursierende Internet-Trend (siehe Kasten) hatte es Lukas Hohmann, 31, so angetan, dass er seine drei Kollegen zu der Aktion überredete. „Wir hatten den zerlegten Heli eh in der Halle“, sagt er. „Da habe ich mir gedacht: Das können wir auch.“ Alle 1000 Flugstunden ist bei einem Polizeihubschrauber eine Große Wartung fällig.
Also taten sich die vier zusammen und brachten in fünf Stunden Puzzlearbeit Ordnung in den Teilewust. Sie breiteten die Koffer voller Spezialwerkzeug für die Hubschrauberwartung aus (links unten im Bild), genau wie die orangefarbenen Abdeck-Folien und -Platten, die in einer silberfarbenen Box immer mitfliegen (links oben).
Dazwischen finden sich, sternförmig angeordnet, die Einzelteile des Heckrotors. Rechts vom Rumpf liegt das Hauptgetriebe, über dem sonst die Rotorblätter kreisen. Und zu den Füßen der Mechaniker-Crew liegen gut drei Dutzend Ordner mit technischer Dokumentation – in denen hoffentlich auch steht, wie man so einen Hubschrauber wieder zusammenbaut.
„An dem ganzen Papierkram sieht man, dass es Deutsche sind“, frotzelt ein Nutzer sinngemäß in dem sozialen Netzwerk Reddit. Denn wenig überraschend mauserte sich das aufwendig gestellte Tetris-Foto zum Internet-Hit; es kursierte weltweit auf Twitter, Instagram, Facebook und darüber hinaus. Mittlerweile dürfte die Zahl der Nutzer, die das Bild aus Oberschleißheim gesehen haben, locker in die Millionen gehen.
„Wir freuen uns, wie sehr das durch die Decke ging“, sagt der nun zum Social-Media-Star avancierte Techniker Lukas Hohmann. Die stundenlange Sortierarbeit habe ihm und seinen Kollegen Heiko, Florian und Stefan richtig Spaß gemacht. „Und der Chef fand’s auch super“, sagt Hohmann. Für die Vorgesetzten gab es auch keinen Grund zu mosern. Im Gegenteil, die Staffelleitung gab gerne ihr Okay. Denn die Heiden-Sortierarbeit, die für das Foto fällig wurde, erledigten die vier Mechaniker am 3. Oktober, also an einem Feiertag. „Es war alles in der Freizeit“, betont Hohmann. Das ist ihm wichtig, denn natürlich wurde im Netz auch der Vorwurf laut, dass der Steuerzahler die ganze Tetris-Gaudi bezahlen müsse.
Und auch der Hubschrauber ist mittlerweile wieder zusammengebaut – insgesamt zieht sich eine solche Große Wartung an die vier Wochen. Denn was auf dem Foto fehlt, sind die unzähligen Schrauben und Bolzen, die die vielen Einzelteile zusammenhalten. Bis wieder alles sitzt, das dauert. Gefehlt hat am Ende aber zum Glück nichts.
Das entscheidende Foto schoss übrigens eine Kamera, die die Mechaniker per Kran zur Decke des Oberschleißheimer Hubschrauber-Hangars hievten. Sie löste während der Tetris-Aktion einmal die Minute aus, ein Zeitraffer-Video davon hat das Quartett zurzeit in der Mache.
Das Wimmelbild postete das Social-Media-Team der Bundespolizei-Spezialkräfte zunächst auf Twitter, bevor sich die Aktion weltweit verselbstständigte und Hohmanns Team zu Internethelden wurde. Der 31-Jährige nimmt den Ruhm gelassen: „Die Sache nahm halt ihren Lauf“, sagt er. „Wir wurden dafür gelobt, und dabei bleibt es jetzt.“