München – Die ICILS-Studie hat vergangene Woche kaum Wellen geschlagen – dabei zeigte sie alarmierende Ergebnisse (wir berichteten): Die digitale Bildung deutscher Achtklässler lässt zu wünschen übrig – ein Drittel kann im Internet nicht seriös recherchieren, nur ein geringer Anteil der Jugendlichen erreicht die Leistungsspitze.
Die Grünen im Landtag fordern dagegen eine „Smart-School-Vision“ für Bayern. Das sei mehr, als nur möglichst viel Technik in Klassenzimmer zu packen, sagte Fraktionschefin Katharina Schulze. Digitale Bildung umfasse zum Beispiel Algorithmen-Lehre und Künstliche Intelligenz, sei zudem auch Medienkompetenz. Schüler müssten zum Beispiel Fake News und Cyber-Mobbing klar erkennen können und sich nicht durch Internet-Angebote blenden lassen. Das lasse sich am besten in einem neuen Fach vermitteln, sagte Schulze. Statt Informatik müsse es künftig „Digitalkunde“ geben, fordern die Grünen in einem Landtags-Antrag. Allerdings stieß der Vorschlag gestern sofort auf Kritik. „Jede Woche wird ein neues Fach gefordert“, meinte der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbands, Michael Schwägerl. Die bestehenden Fächer böten genug Raum für Digitales. Auch Kultusminister Michael Piazolo (FW) reagierte abwehrend: „Die Überlegungen der Grünen sind längst umgesetzt.“ Medienbildung und digitale Bildung sei ein „schulart- und fächerübergreifendes Bildungs- und Erziehungsziel“.
In einem „Rahmenlehrplan Digitale Bildung“ sollen nach Willen der Grünen die Kompetenzstufen für jede Jahrgangsstufe und Schulart definiert werden. „Niederschwellige Basiskompetenz“ sei schon zum Ende der Grundschulzeit notwendig, findet der Grünen-Abgeordnete Max Deisenhofer, der in der Fraktion für digitale Bildung zuständig ist. Den Medienführerschein, den es schon an einigen Schulen gibt, halten die Grünen für sinnvoll – am besten sollte er überall kommen, sagte Deisenhofer.
Als zweiten Punkt fordern die Grünen professionelle Fachkräfte für die IT-Betreuung. Eigentlich sei die Pflege von Computern und Beamers Aufgabe des Sachaufwandsträgers, primär also der Kommunen. die aber könnten das finanziell alleine nicht stemmen. Daher müsse sich der Freistaat zu 50 Prozent beteiligen, heißt es in einem weiteren Landtags-Antrag. Einen Unterstützer haben die Grünen dabei sicher: den Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV), der just gestern eine Presseerklärung mit ganz ähnlichem Inhalt versandte. „Die Wartung und Betreuung der IT-Infrastruktur hängt immer noch davon ab, inwieweit Lehrkräfte diese Aufgabe auch noch übernehmen können“, heißt es darin. „So geht es nicht weiter“, erklärte BLLV-Chefin Simone Fleischmann.
In zwei weiteren Anträgen fordern die Grünen, die bereits angekündigte Fortbildungsoffensive für Lehrkräfte „beständig und aufeinander aufbauend“ zu gestalten. Die ICILS-Studie hatte hier ernüchternde Resultate ergeben: Nur 23 Prozent der Lehrer verwenden digitale Medien regelmäßig im Unterricht. Deisenhofer will hier mit mehr Druck arbeiten und „auch die älteren Lehrer dazu verpflichten, dass sie auf ein bestimmtes Basis-Level kommen“. Zudem fordert er per Landtags-Antrag, dass die digitale Bildung „ihren Niederschlag in allen Phasen der Lehrerbildung findet“.