Rucksack-Mörder stirbt im Gefängnis

von Redaktion

Regensburg/Sydney – Ein Holzkreuz erinnert in einem australischen Nationalpark an eine junge Frau, daneben eine Gedenktafel mit den Namen von sieben Touristen, alle ermordet vom Serienkiller Ivan Milat, den man den Rucksack-Mörder nannte. Nun ist der Serienkiller im Alter von 74 Jahren an Krebs gestorben. Behörden und Bekannte benachrichtigten daraufhin die Hinterbliebenen – auch Familien in Bayern. In Regensburg klingelte es bei Erwine S., Mutter der erstochenen Simone (21). In einer ersten Reaktion dachte die Frau, „sterben müssen wir alle, auch der Milat“.

1992 und 1993 wurden südlich von Sydney, im Belanglo State Forest, die sterblichen Überreste von sieben jungen Leuten – aus Australien, Großbritannien und drei aus Bayern – gefunden: Anja H. (20) und ihr Freund Gabor N. (21) stammten aus Oberbayern, die ebenfalls 21-jährige Simone S. aus Regensburg. Alle drei waren als Rucksacktouristen unterwegs gewesen und galten als verschollen – bis sich herausstellte, dass sie gefoltert und ermordet worden waren.

Simone wollte ab Januar 1991 als Tramperin durch den australischen Kontinent ziehen. Noch im selben Monat traf sie auf Ivan Milat. In dessen Haus wurden später einige ihrer Ausrüstungsgegenstände entdeckt. Milat, so fanden die Ermittler auch heraus, hatte sechsmal auf die junge Frau eingestochen. Während Simone damals unterwegs war, wartete zur selben Zeit ihre Mutter in Melbourne, wo man sich eigentlich treffen wollte. Doch die Tochter tauchte nie auf.

Als Simone den Rückflug im März 1991 verpasste, wandte sich Erwine S. an die Behörden und die Öffentlichkeit. „Sie befürchtet das Schlimmste“, hieß es in den Medien. Dann fanden sich die Leichen, der zigmal vorbestrafte Milat wurde nach einem Hinweis festgenommen. 1996 wurde ihm der Prozess gemacht, Milat erhielt lebenslänglich.

„Es waren furchtbare Zeiten“, erinnert sich Simones Mutter Erwine gestern, sie habe dies alles nur mit professioneller Hilfe und der Unterstützung der Familie und Freunde durchgestanden. „Jetzt ist der Milat tot“, sagt sie mit leiser Stimme, „und es ist, wie es ist“. Ihre Tochter Simone liegt auf dem Friedhof Reinhausen in Regensburg. Milat wurde ohne Zeremonie eingeäschert. „Er hat unermessliches Leid über seine Opfer und deren Familien gebracht“, sagte der für Gefängnisse zuständige Minister. „Er soll in der Hölle verrotten. Dort, wo er hingehört.“ MARKUS CHRISTANDL

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