Viel Rückenwind für Reiter

von Redaktion

Rathauschef Dieter Reiter ist mit 114 von 115 Stimmen zum Münchner OB-Kandidaten der SPD gewählt worden. Der 61-Jährige sprach in der Alten Kongresshalle über politische Verantwortung und seine Vorstellung von München im Jahre 2030.

VON SASCHA KAROWSKI UND KLAUS VICK

München – SPD-Vize Roland Fischer ging streng nach Vorschrift vor. Es liege bislang eine einzige Kandidatur vor. Wenn noch jemand im Raum sei, der antreten wolle, könne er sich bis 19.30 Uhr melden. Und weil Uli Hoeneß zur Aufstellungsversammlung der SPD für die OB-Kandidatur gekommen war, mutmaßte der ein oder andere, der Bayern-Boss habe Ambitionen. Doch Hoeneß war lediglich zur Unterstützung des einzigen Kandidaten gekommen: „Weil ich Dieter Reiter mag und weil ich finde, dass er einen guten Job macht“.

Das sieht offenbar auch die SPD so. Reiter ist am Dienstagabend in der Alten Kongresshalle mit 114 von 115 Stimmen zum OB-Kandidaten der SPD gewählt worden.

Zuvor hatte ein ehemaliger OB via Videobotschaft für den amtierenden geworben: Hans-Jochen Vogel. „Ich wäre gern persönlich gekommen, aber die Gesundheit erlaubt es mir nicht mehr.“ Es solle an diesem Abend um Dieter Reiter gehen, der sehr gute Voraussetzungen mitbringe für eine zweite Amtszeit. „Er hat in den ersten sechs Jahren ein ganz eigenes Profil gewonnen, einen engen und regen Kontakt mit den Bürgern.“ Reiter habe die Wohnungsbautätigkeit verstärkt. „Und er hat auch das Problem erkannt, dass ich schon vor 50 Jahren erkannt habe, dass es sich bei Grund und Boden nicht um eine Sache handelt, die man als beliebige Ware behandeln kann.“

Wohnungsbau, Verkehr, Klimaschutz und der Kampf gegen Rechts – das sind auch die Themen von Dieter Reiter. Der hatte zu Beginn auch eine Videobotschaft, ein Imagevideo, gesprochen im Münchner Dialekt. Ein Satz in der Botschaft sei ihm wichtig: „Sagen, was man tut, und dann aber auch tun, was man gesagt hat.“ Das sei essenziell für das Vertrauen in die Politik und ihre Handelnden. „Gesagt, getan – das muss wieder ein Gewicht haben.“

Nach Reiters Vorstellung müssen auf dieser Basis jetzt die Weichen dafür gestellt werden, dass sich auch in zehn Jahren noch ein jeder die Stadt leisten kann und München keine „Schicki-Micki-Millionario-Stadt“ wird. Ihm sei klar, dass bei nahezu jedem Wohnungsbau- oder Verkehrsprojekt Widerstand kommen werde. Aber bauen müsse die Stadt, damit mehr Wohnungen entstehen, betonte Reiter. „Wir müssen das einfach durchhalten.“

Der Rathauschef sagte, er wolle die Verkehrswende weiter vorantreiben, „dazu aber Politik machen, die offen und ehrlich auch sagt, dass das alles nicht zum Nulltarif geht“. Daher brauche es auch in Zukunft eine verantwortungsvolle Wirtschaftspolitik. „Und nicht plattes und wohlfeiles Gerede über Wachstumsstopp und dass dann alles gut ist.“ Eine Aussage, die auf die neue München-Liste gemünzt war.

Insgesamt sparte der OB aber mit Kritik an den politischen Gegnern. Über die CSU sagte er, das sei eine Partei, die „ausweislich ihres Mottos unser München sogar zurückentwickeln möchte – in ein München von – „ja von was denn eigentlich?“ Zurück in die Vergangenheit statt mutig in die Zukunft? „Das halte ich für puren Populismus.“ Und die Grünen „wollen uns glauben machen, dass sie ganz allein die Hüter des großen Ganzen, der Erde, der gesamten Schöpfung und des Universums sind.“ Während ihrer langjährigen Regierungsbeteiligung aber hätten sie weder Nennenswertes noch Nachhaltiges zustande bekommen.

Neben Wohnungsbau, Umweltpolitik und Verkehrswende ist Reiter auch die Teilhabe älterer Münchner wichtig. „Es gibt eine Grundrente des Staates und wenn die nicht reicht, dann zahlen wir halt dazu. Gesagt, getan – „und auch gerecht. Für eine sichere Zukunft Münchens. Auf geht’s.“

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