Schliersee – Sie möchte Menschen mit ihrer Begeisterung anstecken: Franziska Weiß aus Schliersee (Kreis Miesbach) ist 24 Jahre jung – und engagiert sich seit vielen Jahren für die katholische Kirche. „Die Kirche ist für mich eine prägende Tradition“, sagt sie. „Sie bringt die Menschen zusammen und bewegt mich auch persönlich.“
Diese Freude am Glauben gibt die Raumausstatterin an andere weiter. Am Samstag wird sie für ihren Einsatz gemeinsam mit vier weiteren Ehrenamtlichen bei einem Festgottesdienst im Freisinger Mariendom von Kardinal Reinhard Marx mit der Korbiniansmedaille geehrt.
Seit 1988 verleiht die Erzdiözese München und Freising diese Auszeichnung. Franziska Weiß ist wahrscheinlich die bisher jüngste Preisträgerin. Zwar gibt es Lücken in der Dokumentation, aber: „Mit 99-prozentiger Sicherheit gab es noch keinen Jüngeren, der geehrt wurde“, bestätigt Ursula Hinterberger vom Erzbischöflichen Ordinariat. „Die Korbiniansmedaille geht an Katholiken mit außergewöhnlichen oder besonders langwierigen Engagements“, erklärt sie.
Bei Franziska Weiß trifft das zu. Sie hat schon als Kind ministriert und war bei den Pfadfindern im Pfarrverband Schliersee-Neuhaus. „Das hat zu mir gepasst, weil ich sehr naturverbunden war“, erzählt sie. Das liege auch daran, dass ihre Eltern eine Landwirtschaft hatten. Als die 24-Jährige ein kleines Mädchen war, verbrachte ihre Mutter den Sommer auf der Alm – und sie und ihre Brüder waren dabei. „Wir haben direkt unter dem Dach geschlafen“, erzählt sie. „Es war nicht groß, aber es war sehr schön.“ Viel Platz zum Spielen, frische Kuhmilch, selbst gemachte Butter und Käse – für Franziska Weiß war es ein Paradies.
Und es hat sie geprägt. Heute leitet sie selbst eine Pfadfindergruppe und macht mit den 15 Kindern zwischen sechs und zehn Jahren all das, was ihr früher selbst so viel Spaß gemacht hat: Kürbissuppe kochen, Gipsmasken bemalen, basteln, schnitzen, Feuer machen, Zelte aufbauen und vieles mehr.
Seit sie 18 ist, sitzt sie außerdem im Pfarrgemeinderat. „Ich wurde gefragt, ob ich kandidieren will“, erinnert sie sich. Kurzerhand stimmte sie zu – und schaffte es tatsächlich sofort in das Gremium. Besonders wichtig ist ihr auch hier die Jugend. „Damit es mit der Kirche weitergeht, muss es Angebote für Kinder und Jugendliche geben“, sagt sie. Jedes Jahr studiert sie zum Beispiel mit Kindern das Krippenspiel ein. „Am Wochenende beginnen die Proben“, verrät sie. Zudem ist Weiß Mitglied im Dekanatsrat Miesbach und seit 2018 sogar Vorsitzende. „Es ist ein großes Amt, in das ich sicher erst noch hineinwachsen muss“, erklärt die 24-Jährige.
Ideen hat sie auf jeden Fall genug. Bisher bekam sie immer Unterstützung, um diese zu verwirklichen: „Ich habe sehr viel Rückhalt“, sagt sie. Aber sie weiß auch, dass nicht alle jungen Frauen, die sich in der Kirche engagieren möchten, so positive Erfahrungen machen. „Es gibt sicher Pfarreien, in denen das anders ist“, bedauert sie. „Ich finde es sehr schade, wenn man Frauen, die etwas bewegen wollen, nicht lässt.“ Franziska Weiß hat schon einiges bewegt. Die Auszeichnung dafür sieht sie als große Ehre: „Ich gfrei mi unbandig.“