Lehrer wollen Tablets vom Staat

von Redaktion

Nürnberg – Der bayerische Philologenverband fordert jetzt offiziell Tablets für alle 120 000 Lehrer an Bayerns Schulen. Der Antrag eines Lehrers aus dem Bezirk Oberpfalz (wir berichteten) sei bei der Hauptversammlung am Freitag in Nürnberg angenommen worden, teilte der Verband mit.

Bisher bringen die Lehrer in der Regel ihre eigenen Geräte mit, wenn sie Computertechnik im Unterricht nutzen wollen. „Auch ist es so, dass fast die gesamte Unterrichtsvorbereitung zu Hause an privaten Geräten stattfindet“, teilte der Verband mit. Dies führe auch zu technischen Problemen durch unterschiedliche Technik an den einzelnen Schulen und in einzelnen Klassen – bis hin zu Datenschutz- und Sicherheitsproblemen. „Wenn wir digitale Geräte im Unterricht einsetzen sollen, müssen wir das Arbeitsgerät auch gestellt bekommen“, erklärte Antragsteller Norbert Schedlbauer aus Regensburg. „Wir müssen ja auch Kreide und Tafel nicht privat bezahlen.“ Nach einem Arbeitsgerichtsurteil sei das Gehalt eines Lehrers nicht dazu da, sich Unterrichtsmaterial zu kaufen.

Finanziell sei die Ausstattung im Rahmen des Digitalpakts von Bund und Ländern machbar, sagte ein Verbandssprecher. Er rechne mit Kosten in Höhe von rund 75 Millionen Euro in Bayern. Bund und Länder hatten sich im Digitalpakt darauf geeinigt, mit Milliardeninvestitionen die digitale Ausstattung in deutschen Schulen zu verbessern. Bayern bekommt 778 Millionen Euro, der Freistaat schießt weitere 212 Millionen zu. Im Endeffekt müssten die Tablets aber von den Sachaufwandsträgern der Schulen – in der Regel Städte und Landkreise – bezahlt werden. Diese wiederum würden wohl versuchen, sich das Geld vom Freistaat zurückzuholen. Rechtlich steht einem Kauf nichts im Wege. Tablets seien im Digitalpakt als „digitale Bildungsinfrastruktur“ definiert und förderfähig, teilte das Kultusministerium unserer Zeitung mit. Die Ausstattung der Lehrkräfte mit mobilen Endgeräten sei „grundsätzlich zulässig“. Die Entscheidung müsse aber der Sachaufwandsträger selbst treffen, das Ministerium werde keine generelle Anordnung erlassen.

Bei der Hauptversammlung in Nürnberg wurde der seit 2016 amtierende Michael Schwägerl aus Höchstadt als Vorsitzender mit 94 Prozent in seinem Amt bestätigt. Die 200 Delegierten sprachen sich zudem gegen ein eigenes Unterrichtsfach „Alltagskompetenz“ aus. DIRK WALTER

Artikel 3 von 11