München – Ein Tag ohne Ehrenamt? „Eine Katastrophe“, erklärte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) gestern in der Allerheiligen-Hofkirche in München. Dort zeichnete er mehr als 90 Bayern mit dem Ehrenzeichen des Bayerischen Ministerpräsidenten aus. „Ohne Sie wäre unser Land ärmer“, würdigte er die Geehrten, die sich auf vielfältige Weise und seit vielen Jahren für ein besseres Miteinander einsetzen: Sie engagieren sich zum Beispiel in Kultur-, Garten-, Schützen- und Sportvereinen, bei sozialen Einrichtungen, in Pfarreien oder in der Hilfe für Senioren und Asylbewerber. „Sie leisten etwas, was unbezahlbar ist“, betonte Söder. „Der Dienst an anderen.“
Anna Gierl, Monika Leckel und Hildegard Zilbauer zum Beispiel sind seit über 20 Jahre Hospizbegleiterinnen im Hospizverein im Pfaffenwinkel mit Sitz im Landkreis Weilheim-Schongau. „Es ist ganz wichtig, Sterbende nicht alleine zu lassen“, sagt Monika Leckel (68) aus Schongau. Und: „Es ist einfach eine schöne und sehr erfüllende Aufgabe“, fügt ihre Kollegin Hildegard Zilbauer aus Altenstadt hinzu, die zudem noch in einem ambulanten Kinderhospiz, in der Pfarrei und bei der Flüchtlings- und Lernhilfe aktiv ist. Das alles sei zwar viel sehr Arbeit, aber: „Man kriegt auch sehr viel zurück“, berichtet die 70-Jährige.
Ein Satz, der von vielen Ehrenamtlichen zu hören war. „Es freut mich, wenn die Leute mitmachen und Spaß haben“, sagt Waltraud Neulinger aus Polling (Kreis Mühldorf am Inn). Sie war 20 Jahre lang Vorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft Flossing. In dieser Funktion organisierte sie gemeinsam mit ihren Mitstreiterinnen Vorträge, kirchliche und weltliche Feiern, Ausflüge, Seniorenbesuche, Fahrdienste und viele weitere Aktionen. „Uns ist es wichtig, das Dorfleben zu bereichern“, sagt sie. 2018 hat sie den Vorsitz abgegeben – doch wenn Hilfe gebraucht wird, packt sie selbstverständlich mit an.
Genauso ist es bei Albert Schweiger aus Hausham (Kreis Miesbach). Seit 40 Jahren engagiert er sich beim TSV Weyarn. 20 Jahre war er Vorsitzender des Vereins, erst vergangenes Jahr hat er die Leitung an seinen Nachfolger übergeben. Sein letztes Projekt waren neue Bahnen für die Eisstockschützen. Woran er sich besonders gerne erinnert? „Einmal habe ich es sogar geschafft, den FC Bayern nach Weyarn zu holen“, erzählt er. Heute ist er Beisitzer im Sportvereinsvorstand. Das Engagement aufzugeben, war für ihn nie eine Option: „Wenn man aufhört, etwas für andere zu tun, können wir die Welt zusperren“, sagt er.
Eine Einstellung, die auch Christa Rath (75) aus Emmering (Kreis Fürstenfeldbruck) teilt. Die Liste der Ehrenämter, die sie schon hatte, ist lang. Der Weiße Ring, das Bildungswerk Brucker Forum, die Pfarrgemeinde und die Brucker Tafel – bei all diesen Organisationen hat sie sich engagiert oder ist noch dabei. Die Tafel ist ein besonderes Herzensprojekt von ihr. Sie war nach der Gründung im Jahr 2000 eine der ersten Helfer und führte sie zehn Jahre lang als Leiterin. „Wir haben in der Gesellschaft leider keinen guten Umgang mit Essen“, bedauert sie. „Auf der einen Seite schätzen wir es nicht wert, auf der anderen gibt es Leute, die es sich nicht leisten können.“ Die Überreichung der Ehrennadel habe sie „sehr bewegt“, sagt sie. „Aber um etwas zu erreichen, braucht es immer ein gutes Team. Eigentlich hätte die Ehrung jeder Helfer verdient.“ Das Engagement ist auch ihr persönliches Glücksgeheimnis: „Man wird nie unzufrieden.“
Wobei: Wünsche haben natürlich auch die Ehrenamtlichen. Das zeigte sich, als Söder bei seiner Rede auf das Thema Bürokratie zu sprechen kam. „Der Gesetzgeber meint es nie böse, aber manchmal ist es jetzt nicht ganz so perfekt und praxistauglich“, sagte er – und sofort brach Applaus aus. Söders Versprechen: „Wir versuchen, es besser zu machen.“ CLAUDIA SCHURI