Das Leben im Land der Rekorde

von Redaktion

Bayern ist Boomland. Und Bauland. Und natürlich Urlaubsland. Auch im Jahr 2018 brach der Freistaat wieder Rekorde. Doch die Zahlen, die im Statistischen Jahrbuch erfasst werden, zeigen nicht nur, dass wir in Bayern gut leben – sie sagen auch viel darüber aus, wie wir leben.

VON KATHRIN BRACK

München – Statistisch gesehen ist Bayern der Bundesland gewordene Superlativ. Nie waren mehr Menschen im Freistaat erwerbstätig als 2018: 7,95 Millionen. Nie haben sie dabei mehr verdient: durchschnittlich 4080 Euro, ohne Sonderzahlungen. Alle sieben Regierungsbezirke durften sich erneut über Rekord-Besucherzahlen freuen: 39,1 Millionen Gäste kamen vergangenes Jahr in den Freistaat. Abgesehen davon wird nirgendwo mehr Bier gebraut als in Bayern.

Das Leben im Freistaat ist berechenbar geworden. Seit das Statistische Jahrbuch 1894 erstmals erschienen ist, sammelt das dazugehörige Landesamt Daten über das Land (70 542 Quadratkilometer, 2056 Gemeinden) und seine Bewohner (13,1 Millionen, auch ein Rekord). Das beginnt bei der stetig steigenden Lebenserwartung – wer 2017 geboren wurde, darf als Mann auf 79,1 und als Frau sogar auf 83,83 Lebensjahre hoffen. Und es endet bei den Ausgaben der heimischen Betriebe für den Umweltschutz, die 2017 336 Millionen Euro betrugen. 165 000 Daten liegen der 62. Ausgabe des Jahrbuchs zugrunde, die Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Freitag vorstellte.

„Diese Zahlen helfen der Politik, Trends zu erkennen und darauf zu reagieren“, sagte der Minister. „Ein Beispiel sind die Geburtenzahlen.“ Die sind seit 2011 kontinuierlich gestiegen, 127 616 kleine Bayerinnen und Bayern kamen 2018 zur Welt. „Ein erfreulicher Trend“, wie Herrmann sagt. Die immer noch hohe Zahl der Zuzüge (ein Plus von 86 366) gleiche dabei weiterhin aus, dass immer noch mehr Menschen sterben, als geboren werden: 134 809 Bayern sind vergangenes Jahr gestorben.

Die Zahlen sagen nicht nur viel über das Land und den statistischen Durchschnittsbayern aus, der 43,7 Jahre alt ist und in einem Zwei-Personen-Haushalt lebt. Auch wie wir leben, macht das Landesamt für Statistik auf 667 Seiten sichtbar. Dass 95 Prozent von uns ein Handy haben. Dass 21 Prozent rauchen. Oder dass wir immer später heiraten, als Mann mit 34,3 und als Frau mit 31,7 Jahren.

Aber auch, dass wir trotz Klimakrise 178 532 Fahrzeuge mehr zugelassen haben als noch im Vorjahr: insgesamt 828 662 Neuwagen, die meisten mit Verbrennungsmotor. Oder dass 69 Prozent der Pendler mit dem Auto zur Arbeit fahren und nur 13 Prozent öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Von den 43 Milliarden Kilowattstunden Strom, die vergangenes Jahr in Bayern erzeugt wurden, wurden 73,7 Prozent konventionell erzeugt – 52,6 Prozent aus Atomkraft. Beim Hausmüll könnte sich eine kleine Trendwende ablesen lassen: Pro Kopf haben wir 2018 fünf Kilo weniger Abfall produziert als im Vorjahr und kommen noch auf 544 Kilo. Auf Bayerns Deponien wurden insgesamt 7,2 Millionen Tonnen Abfälle beseitigt.

Das Zahlenmaterial macht auch abseitigere Erkenntnisse möglich. So zeigt die Sterbetafel nicht nur, wie alt die Bayern im Jahr 1900 wurden oder als 2017 Geborene werden könnten. Die Statistiker haben auch errechnet, wie lange ein Bayer ausgehend von seinem Lebensalter und Geburtsjahr noch zu leben hat. Rein rechnerisch natürlich. Statistisch gesehen bleiben der Autorin, Jahrgang 1984, noch 45,86 Lebensjahre im Land der Superlative.

Artikel 3 von 11