Wenn am Adventskranz die ersten Kerzen angezündet werden, steht er daneben: der Teller mit selbst gebackenen Plätzchen. Es entfaltet sich der Zauber der staaden Zeit erst nach dem Totensonntag. In vielen Familien ist das Backen von Weihnachtsleckereien, egal ob Plätzchen, Lebkuchen oder Stollen, eine gute alte beglückende Tradition.
Und da gibt es doch den einen oder anderen, der stirnrunzelnd die Frage stellt: Lassen sich Gesundheit und Weihnachtsbäckerei vereinbaren? Es wäre ein unverzeihlicher Fehler, die Weihnachtsbäckereien aus unserem Leben zu streichen, nur weil halt so mancher mit Übergewicht durch die Welt läuft. Mein Rezept ist einfach: Backen, was das Zeug hält. Und gewisse Dinge beachten: statt Zucker Honig, statt Butter Öl. Die Rezepte noch aus Großmutters Zeiten, säuberlich niedergeschrieben, als süßes Erbe für die nächste Generation. Wer hat sie noch? Welch Genuss, wenn weihnachtliche Düfte durch die Räume ziehen, ein vertrautes Gemisch aus Vanille, Zimt, Kardamom und Tannenzweigen.
Selbst gebackene Köstlichkeiten, hübsch verpackt, man kann sie jetzt auch auf den Adventsbazaren der Kirchengemeinden entdecken. Einfach zugreifen und nicht nur sich selbst, sondern auch anderen etwas Gutes tun. Man könnte es als Motto für diese besinnlichen Wochen verstehen. Einfach mal überlegen: Wem kann ich eine kleine Freude bereiten? Ein kleiner Weihnachtsstern vor der Haustür des Nachbars, ein Schälchen mit Zimtsternen. Und auch ein Nikolausgruß zaubert Erwachsenen ein Lächeln ins Gesicht.
Um den Bischof von Myra, geboren um 270 nach Christus, ranken sich viele Legenden. Er ist ein Symbol für Güte und Menschlichkeit. „Lasst uns froh und munter sein und uns recht von Herzen freuen“ – eine Botschaft. Und nicht ganz einfach, wenn man die Nachrichten hört und das Gefühl hat: Die Welt steht in Flammen.
„Ich will von Advent und Weihnachten nichts wissen, mich stimmt das alles traurig!“. Gar nicht so selten, dass ich solche Sätze im Vorübergehen aufschnappe. Warum eigentlich, frage ich mich. Schließlich ist die Geburt des Jesuskindes in anderen Ländern ein Freudenfest. Oft sind es persönliche Umstände, die Betroffene wünschen lassen, dass diese Wochen möglichst schnell vorüberziehen.
Vielleicht verbringen die erwachsenen Kinder Heiligabend lieber mit ihren eigenen Familien. Oder ein Lebenspartner wird jetzt besonders schmerzlich vermisst Der Zauber anderer Weihnachten mag verflogen sein, und nichts ist mehr, wie es früher einmal war. Ich finde, dass es die schönen Erinnerungen sind, die unser Herz zum Klingen bringen.
Gegen das Gefühl von Einsamkeit gibt es kein Patentrezept. Laut einer Umfrage feiert jeder Zwanzigste in Bayern allein. Wen dabei Traurigkeit beschleicht, der kann diesen Zustand vielleicht ändern: zum Beispiel seine Weihnachtsgans teilen. Mit Freunden oder einer Nachbarin, die auch alleine ist. Man muss sich einfach trauen, zu fragen; „Was machen Sie Heiligabend?“ Die Dunkelheit der Jahreszeit, sie lässt sich erhellen: Mit jenem Licht, das man für andere Menschen anzündet. Und dann ist „Lasst uns froh und munter sein und uns recht von Herzen freuen“ nicht einfach nur die Zeile aus einem Kinderlied…
Ich backe jetzt nicht nur weiter meine Plätzchen, sondern packe auch Päckchen. Die ersten Adventssonntage sind wunderbar dafür geeignet, auch mal wieder einen Weihnachtsbrief an liebe Freunde zu schreiben. Laut einer Umfrage freuen sich 98 Prozent noch immer über die gute alte Weihnachtskarte. Die gibt es auch mit ein bisschen Glitzer…
Ich wünsche Ihnen
eine frohe Adventszeit
Ihre Carolin