Der Rebell will ins Rathaus

von Redaktion

Bis jetzt moserte er vor allem über die Politik, jetzt will er selbst mitmischen. Hans Söllner, Bayerns rebellischster Barde, will Oberbürgermeister in Bad Reichenhall werden. Damit heizt er den ohnehin schon ungewöhnlichen Wahlkampf in seiner Heimatstadt weiter an.

VON DOMINIK GÖTTLER

Bad Reichenhall – „Hey Staat, hey Staat, hey Staat“, singt Hans Söllner in einem seiner Lieder, „heute sag’ ich dir mal, was ich alles mach’ für dich. Und dann sag’ du mir mal, was du alles machst für mich.“ In den Zeilen davor und danach macht Söllner wie so oft keinen Hehl daraus, was er von „dem Staat“ hält, der ihm doch alles vorschreibt, ihn verbiegt und dafür auch noch Steuergelder verlangt. Nämlich gar nix. Doch nach jahrelangem Schmäh gegenüber den Oberen will Söllner nun selbst einer werden. Er hat angekündigt, für das Amt des Oberbürgermeisters in seiner Heimatstadt Bad Reichenhall zu kandidieren.

Er wolle sich das Ganze jetzt mal von innen anschauen – „ned nur imma von außn einipuivern“, sagte er der „Passauer Neuen Presse“. Im „Einipuivern“ war und ist der mittlerweile 63-jährige Sänger ein ganz Großer. Mit seinen gesellschaftskritischen Texten hat er eine treue Fangemeinde um sich geschart, die auch nach nun fast vier Jahrzehnten seines Schaffens noch Konzerthallen in ganz Bayern füllt. Aber er hat sich auch jede Menge Ärger eingehandelt, weil er in seinen Liedern von Beckstein bis Bush jeden mit Söllner’scher Derbheit beleidigt hat, der nicht rechtzeitig in Deckung gegangen ist. Bis heute hat Söllner so nach eigenen Angaben rund 300 000 Euro an Strafen, Gerichts- und Anwaltskosten bezahlt. Rebell zu sein hat seinen Preis.

Nun will Bayerns oberster Grantler nicht mehr nur schimpfen, sondern „mit der Verwaltung und den Bürgern die Probleme meistern“. Damit er aber überhaupt antreten darf, müsse er nun zunächst 180 Unterstützer finden – und die will er bei einer Aufstellungsversammlung der „Freunde von Hans Söllner“ am kommenden Dienstag mobilisieren. Für den Stadtrat der 17 000-Einwohner-Stadt will Söllner laut PNP aber nicht kandidieren. Bürgermeister oder nichts. „Wenn es nicht geht, dann geht es halt nicht.“

Söllners Vorstoß bringt noch einmal neues Feuer in den Kommunalwahlkampf an der bayerisch-österreichischen Grenze. Denn schon bevor er seinen Hut in den Rathaus-Ring warf, ging es in Bad Reichenhall etwas ungewöhnlicher als üblich zu. Dem seit 14 Jahren amtierenden Oberbürgermeister Herbert Lackner hat seine eigene Partei, die CSU, die Unterstützung für eine Wiederwahl entsagt und mit Christoph Lung einen anderen Kandidaten ins Rennen geschickt. Aufgeben will Lackner trotzdem nicht – und so geht er jetzt mit eigener Liste an den Start. Und weil sich auch der gemeinsame Kandidat der Oppositionsparteien überraschend aus privaten Gründen zurückgezogen hat und nun nach und nach jede Partei ihren eigenen Kandidaten präsentiert, sind aktuell schon sechs Kandidaten im Rennen. Hans Söllner noch nicht eingerechnet.

Auf dessen Facebook-Seite hat die Ankündigung jedenfalls schon für kräftigen Wirbel gesorgt. Schenkt man den Kommentatoren Glauben, dann dürfte bei einer Wahl Söllners eine neue Zuwanderungswelle mit Fans des Sängers auf Bad Reichenhall zurollen. Und einen Vorschlag für die erste Amtshandlung hat eine Anhängerin auch schon: Auf dem Reichenhaller Stadtwappen werde dann künftig wohl nicht mehr der schwarze Panther prangen – sondern ein grünes Hanfblatt.

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