Geheimaktion Priesterweihe

von Redaktion

Auch 75 Jahre danach ist die geheime Priesterweihe von Karl Leisner im Konzentrationslager Dachau ein unfassbares Ereignis. Am 17. Dezember 1944 ahnten die Aufseher nicht, dass im Priesterblock 26 ein Ereignis stattfindet, das man später wie einen Sieg über Hitlers Terrorherrschaft betrachten wird. Ein Film erinnert an die Geheimaktion.

VON CLAUDIA MÖLLERS

München/Dachau – „Damals hat man gedacht, sie sind vernichtet. Aber sie sind die eigentlichen Sieger der Geschichte.“ Kardinal Reinhard Marx ist tief bewegt von der Priesterweihe, die am 17. Dezember vor 75 Jahren im Konzentrationslager Dachau im Priesterblock 26 still und heimlich gefeiert wurde, ohne dass die Aufseher auch nur den geringsten Verdacht geschöpft hatten. Der Traum von Karl Leisner, einem jungen Diakon aus dem Bistum Münster, der nichts mehr ersehnte, als zum Priester geweiht zu werden, wurde an jenem Dezembertag wahr.

Dass es gelang, die aufwendigen Vorbereitungen der Feier trotz strengster Bewachung über Wochen unbemerkt zu treffen, ist wie ein kleines Wunder. Auf die Einhaltung des Kirchenrechts wurde peinlichst geachtet – alle notwendigen Unterlagen wurden ins KZ und wieder heraus geschleust. Filmemacher Max Kronawitter hat die Geschichte dieser faszinierenden Priesterweihe zu einem bemerkenswerten Dokumentarfilm verarbeitet: „Karl Leisner – Christ aus Leidenschaft“ wird anlässlich des 75. Jahrestages in München und Eurasburg-Achmühle gezeigt.

In eindringlichen Bildern schafft es der Dokumentarfilmer, den Lebens- und Leidensweg des jungen Mannes vom Niederrhein einfühlsam nachzuzeichnen – und durch einordnende Stimmen wie die von Kardinal Marx oder dem Bischof von Münster, Felix Genn, zu würdigen. Der aus Rees stammende Karl Leisner hatte sich als katholischer Jugendführer früh gegen die Vereinnahmung der Nationalsozialisten gewehrt. Das belegen Tagebuchaufzeichnungen, aus denen Kronawitter immer wieder zitiert. Dass Leisner kein entrückter religiöser Eiferer war, sondern ein bodenständiger junger Mann, zeigt seine Schwärmerei für die Tochter seines Vermieters in Freiburg, die der Film anrührend thematisiert. Karl entscheidet sich schließlich für die Berufung zum Priesterleben und gegen Elisabeth.

Der Jungscharführer, der am 25. März 1939 von Kardinal von Galen zum Diakon geweiht worden war, wollte der Hitlerjugend etwas entgegensetzen – und geriet unwillkürlich ins Visier der Nazis. Pfingsten 1936 konnte der Theologiestudent sogar Papst Pius XI. über die schwieriger werdenden Verhältnisse im Nazi-Deutschland berichten. Als er nach dem missglückten Attentat im Münchner Bürgerbräu-Keller am 8. November 1939 bedauerte, dass Hitler dem Anschlag entgangen war, wurde Leisner denunziert, verhaftet und geriet über Sachsenhausen nach Dachau.

Der Traum von seiner Priesterweihe schien für den schwer an Tuberkulose Erkrankten ausgeträumt, bis sich durch den ins KZ eingelieferten französischen Bischof Gabriel Emmanuel Joseph Piguet die unfassbare Möglichkeit ergab, eine Priesterweihe im Priesterblock zu spenden. 29 Jahre alt war Leisner, als am 17. Dezember 1944 sein Traum Wirklichkeit wurde. Mitgefangene schneiderten die Messgewänder, waren Zeugen, wie der Neupriester am Zweiten Weihnachtstag seine erste und einzige Heilige Messe zelebrierte. Vier Monate später wurde das Lager befreit – und Karl Leisner ins Lungensanatorium Planegg gebracht. Sein letzter Tagebucheintrag lautet: „Segne auch, Höchster, meine Feinde.“ Der Neupriester starb am 12. August 1945 im Sanatorium. 1996 wurde er seliggesprochen.

„Karl Leisner – Christ aus Leidenschaft“

ist am Sonntag, 15.12., um 15 Uhr im City-Kino München, Sonnenstraße 12, und am 19. Januar 2020 um 18 Uhr im Bürgerhaus Eurasburg-Achmühle zu sehen. Kartenreservierungen unter: kronawitter@ikarus-film.de

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