München – Besonders jetzt an manchen grauen Tagen, wenn kein Schnee liegt, kann ein Vogelfutterhäuschen ein guter Zugang zur Natur und ein Quell für Lebensfreude sein“, sagt Norbert Schäffer, Vorsitzender des Landesbunds für Vogelschutz (LBV). Die gefiederten Zeitgenossen bringen Farbe in den Garten – und neben häufigen Arten wie Amsel, Spatz und Kohlmeise kommen auch seltenere wie Gimpel und Erlenzeisig, um am Vogelfutterhäuschen zu schnabulieren. Auch wenn kein Schnee liegt, kann man durchaus füttern, sagt Schäffer. Früher sei man da viel zu dogmatisch gewesen – und habe mit wechselnden Empfehlungen die Menschen eher verunsichert. „Wer Spaß daran hat, soll ruhig füttern“, sagt Schäffer. Wichtiger als die Frage, ob eine geschlossene Schneedecke liegt, sei es dagegen, qualitativ hochwertiges Futter zu verwenden: „Es muss ambrosiafrei sein, denn diese Pflanze löst Allergien aus. Außerdem enthält billiges Vogelfutter oft viele Weizenkörner, und die fressen nur Tauben und sonst kaum ein Vogel“, sagt Schäffer. Bei der Fütterung auf Hygiene zu achten sei entscheidend. Doch wenn das Vogelfutterhäuschen voller unbeliebter Körner liegt, können diese feucht werden und dann vermehren sich Bakterien, Krankheitskeime und Schimmel im Futterhäuschen. Vogelschützer Schäffer füttert übrigens ganzjährig. „Klar ist das keine zentrale Maßnahme des Naturschutzes und man kann durch ein Futterhäuschen Schutzgebiete nicht ersetzen“, sagt der 55-jährige Biologe. Wichtiger als ein Futterhäuschen sei ein naturnaher Garten. „Zum Beispiel schmecken die Früchte des heimischen Weißdorns mehr als 60 Vogelarten.“
In diesem Punkt stimmt der Bund Naturschutz mit dem LBV überein: „Nicht alles abmähen, Büsche pflanzen, in denen Insekten leben können und alte Bäume stehen lassen, ist wichtig. Futterhäuschen oder Nisthilfen eher nicht“, sagt Richard Mergner, Landesvorsitzender des Bund Naturschutz. Es schade zwar nicht, in geringen Mengen Futter im Vogelhäuschen auszulegen, um Vögel zum Beobachten in die Gärten zu locken. Doch kommen mehr als 90 Prozent der heimischen Brutvogelarten niemals an ein Futterhäuschen, sagt Mergner. Insofern unterstütze man nur wenige, an Menschen gewöhnte Vogelarten. „Ernsthaft bedrohte Vogelarten kann eine Winterfütterung nicht retten, nur der Erhalt ihrer Lebensräume“, hält Mergner fest.