München – Wer wird künftig an der Spitze der bayerischen Jäger stehen? 25 Jahre führte der Ebersberger Jürgen Vocke den Bayerischen Jagdverband, bis er Mitte Oktober nach Untreue-Vorwürfen seine Ämter ruhen ließ. Auf der Vollversammlung des Verbands am 28. März in Lindau soll sein Nachfolger gewählt werden. Und nach diversen Spekulationen über die Kandidaten haben nun die ersten Anwärter ihre Ambitionen öffentlich gemacht.
Am Wochenende verkündete Interimspräsident Thomas Schreder offiziell seine Kandidatur. Via Verbandsmitteilung erklärte er, im Duo mit Schatzmeisterin Mechthild Maurer den Verband nach den Finanzdebatten der vergangenen Monate wieder in „ruhigere Gewässer“ führen zu wollen. Der Jagdverband müsse für seine Mitglieder wieder als Servicepartner und als starke Stimme wahrgenommen werden.
Kandidat Nummer zwei folgte auf dem Fuße. Roland Weigert (FW), Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, legte sich in einem am Sonntag online veröffentlichten Interview mit dem Fachportal „Jagderleben“ fest: „Ich werde kandidieren.“ Seine Arbeit als Staatssekretär wolle er auch im Falle einer erfolgreichen Wahl weiterführen. „Mit der entsprechenden Organisation wird das funktionieren“, so Weigert. Auch er verspricht, das Verhältnis zu den Kreisgruppen zu normalisieren und so wieder für mehr Vertrauen zu sorgen. Weigert gilt als Wunschkandidat Hubert Aiwangers.
Mehrere Kreisverbände aus Oberbayern haben zudem den öffentlich bislang kaum in Erscheinung getretenen Robert Pollner aus dem Kreis Mühldorf als Kandidaten vorgeschlagen. Der parteilose 56-Jährige ist im Vorstand der Zeidler-Stiftung tätig und bestätigte seine Kandidatur gestern gegenüber unserer Zeitung. Sein Motto: Die Basis müsse wieder gehört werden.
Es wird wohl nicht bei den drei Bewerbern bleiben. In der CSU wird aus der Staatsregierung Innen-Staatssekretär Gerhard Eck als Kandidat gehandelt, um den Freien Wählern einen Kandidaten aus der Landespolitik entgegenzustellen. Schreder ist zwar ebenfalls CSU-Mitglied, allerdings nur auf kommunaler Ebene im Erdinger Stadtrat politisch aktiv. Auch der CSU-Abgeordnete Alexander Flierl erwägt weiter eine Kandidatur. „Ich habe mich noch nicht entschieden“, sagt er auf Nachfrage. Gemäß den Statuten des Jagdverbands können sich auch bei der Abstimmung am 28. März noch Kurzentschlossene zur Wahl stellen.
Für alle Kandidaten gilt: Sie müssen um Stimmen bei den bayernweit 160 Kreisgruppen werben. Bei der Wahl im März hat jede dieser Gruppen eine Grundstimme, dazu kommen zusätzliche Stimmen je nach Mitgliederzahl. Politische Unterstützung hin oder her, wer an die Spitze des Verbands will, muss also vor allem die mitgliederstarken Kreisgruppen für sich gewinnen.
Auf Landkreisebene fordert die Jäger-Basis angesichts der anhaltenden Personalspekulationen Klarheit. „Die Kandidaten müssen sich endlich klar äußern, damit die Kreisgruppen Meinungsbildung betreiben können“, sagt Franz Sommer, Chef der Rosenheimer Jäger. Er selbst habe jedenfalls noch keinen Favoriten. „Für uns ist das eine schwierige Situation“, sagt er mit Blick auf die politischen Befindlichkeiten, die derzeit die Kandidatenfindung begleiten. „Einerseits wollen wir politisch unabhängig sein, andererseits brauchen wir die Politik, um die Jagd vertreten zu sehen.“
Explizit keinen Präsidenten aus der Landespolitik will der Starnberger Jägerchef Hartwig Gürtler. „Der Verband sollte sich nicht zu sehr an eine Partei binden. Zudem finde ich es anmaßend, dass die Parteien glauben, uns einen Kandidaten vor die Nase setzen zu müssen.“ Er halte es für ein gutes, demokratisches Zeichen, dass mehrere Kandidaten antreten. Dennoch spricht er sich klar für Thomas Schreder an der Verbandsspitze aus. „Er hat in kurzer Zeit viel geschafft.“
Der Weilheimer Vorsitzende Florian Pfütze gehört dagegen zu Pollners Unterstützern. „Im Gegensatz zu Thomas Schreder, der seit 17 Jahren im Verband tätig ist, ist Pollner unbeleckt.“ Doch Pfütze betont auch: „Egal wer es am Ende wird. Wichtig ist, dass der Verband sich wieder auf eine Politik für das Wild konzentriert. Und Einigkeit mit Förstern und Bauern schafft.“