München – Gestern Morgen bot sich den Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes ein nicht alltäglicher Anblick, als sie die morgendlichen Temperaturwerte in Oberbayern studierten. Während in Neuburg an der Donau bei zwei Grad minus Frost herrschte, wurden 150 Kilometer weiter südlich in Bad Kohlgrub (Landkreis Garmisch-Partenkirchen) frühlingshafte 18 Grad gemessen. In Rosenheim waren es 17 Grad – und das eine Woche vor Weihnachten.
Ursache für den massiven Temperaturunterschied von 20 Grad ist ein ausgeprägter Föhnwind, der warme Luft aus dem Süden über die Alpen trägt. Nun ist der Föhn an sich noch kein seltenes Phänomen. „Aber dass die warme Luft so tief nach unten und so weit in den Norden getragen wird, das ist schon ziemlich ungewöhnlich“, sagt Wetterdienst-Meteorologe Martin Schwienbacher. Die warme Luft sei bis nach München vorgedrungen. Und selbst an tiefen Lagen wie dem Bodensee wurde es gestern richtig warm. Am Seeufer in Lindau kletterte das Thermometer gestern über die 20-Grad-Marke.
Schwienbacher sagt, so ein starker Föhnwind, der die Wärme bis in die Landeshauptstadt trägt, komme nur alle paar Jahre vor. „Ich kann mich an den Sommer vor drei Jahren erinnern, da war der Föhn ähnlich stark. Aber im Sommer fällt das natürlich weniger auf als im Winter.“ Und während der Föhn heute und morgen in abgeschwächter Form anhält, dürfte am Freitag noch einmal eine ähnliche Situation wie gestern eintreten, prognostiziert Schwienbacher. „Denn dann haben wir wieder einen ähnlich hohen Druckunterschied zwischen den Süd- und den Nordalpen.“
Der anhaltende Föhn sorgt nicht nur bei dem ein oder anderen für Kopfschmerzen und zudem für ein weithin sichtbares Alpenpanorama, er wirbelt teilweise auch den Skibetrieb in den bayerischen Alpen durcheinander. So muss der eigentlich für das Wochenende angedachte Saisonstart am Brauneck im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen verschoben werden. „Es geht leider noch nicht, wir peilen jetzt mal Weihnachten an“, sagt Alpen-Plus-Sprecherin Antonia Asenstorfer. Auch im Skigebiet Spitzingsee, wo die Saison bereits gestartet ist, muss in den nächsten zwei Tagen erst einmal Pause eingelegt werden. „Bei diesen Bedingungen zu fahren, würde der Piste nicht guttun“, sagt Asenstorfer. Planmäßig soll der Skibetrieb dagegen im Gebiet Garmisch-Classic am Donnerstag starten.
Mit Blick auf die Feiertage hat Meteorologe Martin Schwienbacher zudem eine schlechte Nachricht für alle Fans der weißen Weihnacht. „Es besteht zwar noch eine gewisse Unsicherheit, aber aktuell gehen wir davon aus, dass im Flachland zu Weihnachten nasskaltes Wetter mit lebhaftem Wind vorherrschen wird.“ Also Regen statt Schnee in weiten Teilen Bayerns. „Mit Neuschnee ist höchstens in den Hochlagen zu rechnen“, sagt Schwienbacher. Ab 1500 Metern stehen die Chancen nicht schlecht. Aber wirklich schneesicher ist an Weihnachten in Bayern ohnehin nur ein Ort. Ein Ort, an dem seit Beginn der Wetteraufzeichnungen ohne Ausnahme weiße Weihnachten verzeichnet wurden. Und das ist auf der Zugspitze.