Karlsfeld – Wenn Verena Grabietz versucht, Kinder und Jugendliche für das Pfadfinderleben zu begeistern, muss sie nicht lange überlegen. Denn sie erinnert sich noch zu gut, wie sie damals mit 14 selbst das erste Mal mit am Lagerfeuer saß, Stockbrot machte – und Freunde fand. Heute ist die 21-jährige Studentin nicht nur Gruppenleiterin, sondern auch im Vorstand des DPSG-Stamms Anjo II in Karlsfeld (Landkreis Dachau). Und ihre Begeisterung von damals ist eher größer geworden.
Die Pfadfinder-Bewegung wurde im Jahr 1907 von dem britischen General Robert Baden-Powell gegründet – und sie breitete sich von der englischen Insel Brownsea Island über die ganze Welt aus. Mehr als 100 Jahre später ist das Pfadfinder-Leben alles andere als aus der Mode gekommen. Immer mehr junge Menschen haben sich in den vergangenen Jahren dazu entschieden, einem Stamm in Bayern beizutreten. Der Bund der Pfadfinder und Pfadfinderinnen verzeichnete einen Zuwachs von fünf Prozent. Besonders in den Städten wachsen die Gruppen. Ebenso stabil sind die Zahlen beim größten Pfadfinderverband in Bayern, der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG). 2018 verzeichnete sie rund 15 300 neue Mitglieder. Der evangelisch geprägte Pfadfinderverband christlicher Pfadfinder und Pfadfinderinnen gewann 5000 Kinder und Jugendliche dazu.
Verena Grabietz überraschen diese Zahlen nicht. Auch ihr etwa 50 Mitglieder großer Stamm in Karlsfeld hat keine Probleme, Kinder und Jugendliche dazuzugewinnen, berichtet sie. Dort veranstalten sie zum Beispiel Schnupperlager mit Übernachtung – die meisten Kinder kommen begeistert nach Hause zurück und wollen wiederkommen, erzählt sie. So wie sie selbst damals.
„Das Klischee der Pfadfinder, viel in der Natur zu sein und ganz minimalistisch leben zu können, passt gut in die heutige Zeit“, findet die 21-Jährige. Auch die Fridays-for-Future-Bewegung habe das Interesse dafür sicher gefördert, glaubt sie. Doch beim Pfadfinder-Sein gehe es um noch viel mehr, betont Grabietz: um Zusammenhalt, um Offenheit jedem gegenüber. „Bei uns ist jeder willkommen und wird akzeptiert.“ Für viele Kinder sei das eine sehr schöne Erfahrung, sagt sie.
Die Pfadfinder wollen junge Menschen beim Erwachsenwerden begleiten. Allerdings nicht mehr mit den strengen Regeln, die Robert Baden-Powell einst aufstellte. „Damals stand das Gehorchen sehr im Vordergrund“, sagt Grabietz. „Heute ist vieles entspannter geworden. Aber die Werte von damals haben sich seit 1907 nicht geändert.“