Erding – Die Sattelschlepper auf dem Hof des Erdinger Weißbräu müssen in diesen Tagen beim Rangieren Millimeterarbeit leisten, denn viel Platz ist nicht. Das liegt am urigen Hüttendorf, das aufgebaut wurde. Dort werden am Sonntag 1200 Gäste Werner Brombachs Geburtstag feiern, darunter Ministerpräsident Markus Söder, dessen Vorvorgänger Günther Beckstein, der Lebensmittel-Mogul Richard Oetker, die Warsteiner-Erbin Katharina Cramer, die Erdinger-Markenbotschafterin Magdalena Neuner und viel Lokalprominenz. Aber auch alle mehr als 500 Mitarbeiter und die Pensionäre feiern mit. Brombach ist dafür bekannt, sich besonders um seine Angestellten und die Ehemaligen zu kümmern. Er selbst wird nicht den ganzen Abend im Mittelpunkt stehen. In der Brauerei ist man schon ganz aufgeregt, den neuen Markenbotschafter vorstellen zu können. Von einer der „bedeutendsten Persönlichkeiten im nationalen wie internationalen Fußballgeschehen“ ist die Rede. Er tritt in große Fußstapfen: Denn 2003 wurde Franz Beckenbauer das prägende Gesicht von Erdinger.
Brombach ist mit Erding aufs Engste verwurzelt. Geboren wurde er 1939 im ersten Stock des Gründerhauses an der Langen Zeile in der Innenstadt. Das Stammhaus gibt es bis heute, als Brauereigasthof mit Hotel. Damals war sein Vater Franz bereits vier Jahre Inhaber des Weißen Bräuhauses Erding, dem er zuvor als Geschäftsführer gedient hatte. 2020 wird die Brauerei 85 Jahre in Familienbesitz sein – bei gerade einmal zwei Eigentümern.
Das Abitur legte Brombach 1960 an der Oberrealschule Marquartstein ab. Schon damals stand fest, dass er das väterliche Unternehmen irgendwann übernehmen wird. Bereits 1962 hielt er das Zeugnis der TU München-Weihenstephan, das ihn als Diplom-Braumeister ausweist, in Händen. Er sattelte ein BWL-Studium an der Ludwigs-Maximilians-Universität drauf. 1965 stieg er in die Brauerei ein. Die setzte damals 40 000 Hektoliter pro Jahr ab.
Zehn Jahre lang arbeitete Werner Brombach an der Seite seines Vaters Franz. Als dieser 1975 starb, nahm Werner Brombach die Zügel in die Hand. Doch schon davor prägte er die Brauerei und ihren Erfolg.
Ende der 60er-Jahre war der Biermarkt noch ein lokaler. Brombach sorgte dafür, dass es Erdinger weit über Bayern hinaus gab. Heute wird es in 100 Länder exportiert. Dabei kommt jeder Schluck auch tatsächlich aus Erding. Gebraut wird nur hier, Lizenzen lehnt Brombach strikt ab.
Seine Rechnung ging auf. In den 70ern stieg der Ausstoß von 82 000 auf 225 000 Hektoliter. Beim Weißbier ist Erdinger bundesweit Marktführer, heute mit 1,8 Millionen Hektolitern. Bis Anfang der 80er-Jahre wurde noch mitten in der Altstadt gebraut. Doch die Expansion zwang Brombach, 1983 das Brauhaus an den Stadtrand zu verlegen. Heute residiert Erdinger auf einem riesigen Areal im Norden Erdings – an der Franz-Brombach-Straße. Die Verwaltung ist nach wie vor in der Altstadt.
Was Erdinger aus der bunten Bierlandschaft heraushebt, ist das konsequente Marketing, das die Handschrift Werner Brombachs trägt. 1971 entstand der berühmte Erdinger Jingle „Des Erdinger Weißbier, des is hoid a Pracht“ 1995 begann die Ära der Erdinger Fanclubs. Über 80 000 Mitglieder sind eingetragen. Mehr Unterstützerkreise soll nur der FC Bayern haben. Der 25. Fanclub-Geburtstag wird nächstes Jahr groß gefeiert.
Einer seiner größten Coups gelang Brombach 2001. Bis dahin war alkoholfreies Bier eine recht spaßbefreite Angelegenheit für alle, die noch Auto fahren müssen. Brombach positionierte sein Erdinger Alkoholfrei als „isotonischen Durstlöscher“ und gründete dazu das Team Erdinger Alkoholfrei, dem Topsportler aus dem Biathlon, Marathon und Triathlon angehören. Brombach ist begeisterter Biathlon-Fan und einer der Hauptsponsoren des Weltcups. Bei vielen Rennen ist er selbst dabei. Spät folgte er dem Trend der Bier-Mischgetränke. Erst seit 2017 gibt es das Alkoholfreie Zitrone und Grapefruit. Dieser Schritt soll viel Überzeugungsarbeit gekostet haben.
Trotz seiner 80 Jahre ist Brombach täglich in der Brauerei, die er bis in die letzte Verästelung kennt. Viel Zeit verbringt er mit seiner Gattin Christine aber auch auf seinem Zweitwohnsitz auf Hawaii. Sein Lebenswerk wurde vielfach gewürdigt – unter anderem mit dem Verdienstorden, dem Verdienstkreuz Erster Klasse, der Ehrenbürgerschaft seiner Heimatstadt und dem Ehrenring des Landkreises. Über die Zeit nach sich redet Brombach zumindest öffentlich nicht. Bis heute ist er körperlich und geistig fit. 2018 installierte er allerdings neben Josef Westermeier und Peter Liebert einen dritten Geschäftsführer, Stefan Huckemann.