Böllern, bis es staubt

von Redaktion

In der Silvesternacht explodierten nicht nur Raketen und Böller, sondern auch die Feinstaubwerte. Besonders in Bayerns Großstädten wurden die Grenzwerte noch bis zum Morgen massiv überschritten. Doch so manche Kommune startete heuer ohne Knallerei ins neue Jahr – aber dafür mit einem positiven Echo.

München – Die Silvesternacht hat Spuren hinterlassen. Nicht nur auf Bayerns Straßen, wo sich nach dem Start ins neue Jahrzehnt am Neujahrsmorgen noch vielerorts die Feuerwerksreste türmten, sondern auch in der Luft. Denn mit der Böllerei stieg vor allem in Bayerns Großstädten ab Mitternacht die Feinstaubbelastung massiv an. Ein Blick auf die Messdaten des Landesamtes für Umwelt zeigt, wie heftig sich das Abbrennen von Feuerwerkskörpern zumindest kurzfristig auf die Luftqualität auswirkt.

So wurde etwa in München an der Landshuter Allee um 2 Uhr nachts der Höchstwert von 986 Mikrogramm pro Kubikmeter gemessen – und damit der Grenzwert von 50 Mikrogramm um fast das Zwanzigfache überschritten. Bis zum Morgen ging die Feinstaubbelastung an der Messstelle wieder zurück, aber erst um 14 Uhr sank sie unter den Grenzwert, der nur an maximal 35 Tagen im Kalenderjahr überschritten werden darf. Höchstwerte wurden auch in Nürnberg verzeichnet, wo um 1 Uhr nachts 1219 Mikrogramm gemessen wurden. Auch in Fürth, Würzburg oder Augsburg stiegen die Werte in der Nacht deutlich an und rutschten damit in die Luftgüteklasse „sehr schlecht“.

Feinstaub gelangt auch an anderen Tagen des Jahres aus verschiedenen Quellen in die Luft. Er entsteht im Verkehr durch Verbrennungsmotoren, aber auch durch Reifenabrieb. Weitere Quellen sind zum Beispiel die Industrie, Kraftwerke und Holzöfen. Das Silvesterfeuerwerk macht in Deutschland laut Umweltbundesamt rund zwei Prozent der insgesamt im Jahr freigesetzten Feinstaubmenge aus.

Bei Feinstaub handelt es sich um kleinste Teilchen. Je nach Größe können diese nicht nur tief in Lunge und Bronchien, sondern auch ins Blut gelangen und Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems hervorrufen. Extrem hohe Luftbelastung kann kleinen Kindern, Senioren, aber auch Asthmatikern und chronisch Lungenkranken akute Probleme wie Husten und Atembeschwerden bereiten. Laut Umweltbundesamt gefährdet das Einatmen von Feinstaub die Gesundheit – „und zwar bei kurzfristig hoher wie auch bei langfristig erhöhter Belastung“.

Die hohe Feinstaubbelastung ist ein Grund, warum einige Kommunen heuer auf ein zentrales Feuerwerk verzichteten. So galt etwa in der Erdinger Innenstadt erstmals ein Böllerverbot. Stattdessen setzte die Stadt auf eine Lasershow am Schrannenplatz, von der sich mehrere Hundert Besucher ins neue Jahr begleiten ließen. Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren, wo sich immer wieder Gruppen gegenseitig mit Raketen und Böllern beschossen, verlief die Nacht in der Erdinger Innenstadt für die Polizei diesmal störungsfrei. „So wünschen wir uns das“, sagt Florian Leitner von der Erdinger Wache.

Auch in Olching im Kreis Fürstenfeldbruck wurde mit einer Lasershow gefeiert, dort hatte sich eine Initiative aus der Bürgerschaft für die umweltfreundlichere Alternative eingesetzt (wir berichteten). Allerdings mussten sich die Gäste dort etwas gedulden. Denn während die Raketen in Olching bereits den Himmel erleuchteten, schossen die ersten Lichtstrahlen erst mit zehnminütiger Verspätung durch die Gassen.

Auch im Tegernseer Tal ging es an Silvester etwas ruhiger zu als gewohnt. Die private Knallerei sei „merklich zurückgegangen“, sagt Christian Kausch, Geschäftsführer der Tegernseer Tal Tourismus GmbH. Im Bergsteigerdorf Kreuth etwa fand ebenfalls eine Lasershow statt. Und laut Christian Kausch konnte man heuer an Mitternacht von Bad Wiessee aus die Lichter von Tegernsee erkennen –was in den vergangenen Jahren wegen des Pulverdampfs der Raketen kaum möglich war. dg/ham/kg/sg/lby

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