MASSGESCHNEIDERT

Grantige Hunde

von Redaktion

Es gibt Dackel, Collies, Pudel, Pinscher, Schnauzer, Dobermänner und noch ein paar Dutzend andere Wauwau-Rassen, von den Mischungen gar nicht zu reden, aber zahlreicher noch als alle zusammen sind die grantigen Hunde, die sich auf zwei Beinen fortbewegen, wenn sie sich nicht gerade auf ihren vier Buchstaben, die sie für Lorbeerblätter halten, ausruhen.

Schon in aller Herrgottsfrüh haben sich die grantigen Hunde von ihrem, was Wunder, süßsauren Zuckerschneck nicht verabschiedet und fahren nun dumpf und düster dreinblickend mit den verschiedenen Bahnen, die einander ein U oder ein S vormachen, in ihre Acht-Stunden-Asyle.

Kein Schwein (keine Sau) wagt es, auch nur ein Wort an sie zu richten. Selbst Löwen, Steinböcke und Stiere ziehen die Beine ein, um ja nicht mit ihnen in Berührung zu kommen und womöglich angefallen zu werden.

Wenn der grantige Hund nicht vor sich hin stiert, versteckt er seinen vor Unmut geschwollenen Belli mit Vorliebe hinter einer Zeitung. Beim Lesen steigert sich indes sein mühsam verhaltener Grimm noch weiter. Je nach politischer Einstellung würde der eine bei diesem, der andere bei jenem Leitartikel am liebsten laut aufheulen!

Inzwischen sind auch schon die ersten Rudel grantiger und arbeitsabstinenter Hunde in der Innenstadt streunend unterwegs. Die Meute fällt, ohne anzuklopfen, in die Kaufhäuser ein, wo sie von den zahlreich herumstehenden Miezen widerwillig wahrgenommen und bedient wird. Aber an der Kasse bekommen die grantigen Hunde endlich ihr Fett! Die Köpfe bullig vorgestreckt, in den Vorderpfoten pralle Plastiktüten, sehen wir sie alsbald wieder sturheil durch die Fußgängerzone schnüren. Dass der Magen zu knurren beginnt und sich Durst meldet, aber nirgends ein Freibierbrunnen läuft, macht grantige Hunde nicht froher. Also suchen sie eine Tränke auf und knurren die Biermöpse an, die ihnen nichts schuldig bleiben. Und so steigert sich der sprichwörtliche Münchner Grant, der über der Stadt wabert, bis zur Mittagsstunde auf mindestens Glockenspielhöhe.

Die grantigen Arbeitstier-Hunde, die es nicht so schön haben wie die Streuner-Hunde, verbellen bereits seit Stunden die Büro-Amseln und führen sich überhaupt auf, als wollten sie diesen und besonders jenen zerfleischen und ohne die geringste Beigabe von Kraut auf dem Schreibtisch fressen. Nun aber, zur Mittagszeit, versammeln sie sich immerhin einträchtig vor ihren Fressnäpfen in der Kantine. Ein als besonders grantig geltender Hund verdreht sogar schelmisch die Augen hinüber zu einem Tisch, an dem einige Gazellen ihre tief ausgeschnittenen Hälse anmutig über einem Dr.-Oetker-Nachtisch bewegen. Aber schon bald darauf werden die gesättigten Hunde wieder grantig; denn der sonst bei Hunden übliche Mittagsschlaf ist für die Zweibeiner-Abart längst ersatzlos gestrichen. Und so geht es dann halt grantig weiter, bis die grantigen Hunde wieder in ihre Abtransportkäfige steigen und ihre pflegeleichten Hütten ansteuern, aus denen ihnen das beflissene Heimchen als Demutsgeste einen nasenfreundlichen Küchengeruch entgegenschickt. Und wirklich, er findet das Ochsenfleisch mit Petersilkartoffelgemüse gar nicht einmal so schlecht, wenn ihm auch fünf Regensburger mit einem sauren Kartoffelgemüse lieber gewesen wären. Aber alles kann man halt nicht haben, jault der grantige Hund und drückt gequält auf den Fernsehknopf.

Und was ist, wenn es Zeit zum Bettgehen wird? Den letzten beißen die Hunde…

An dieser Stelle schreibt unser Turmschreiber

Artikel 6 von 11