Claus-Peter Reisch wird freigesprochen

von Redaktion

Mit einem Rettungsschiff war der Landsberger Claus-Peter Reisch 2018 in maltesische Gewässer gefahren und dafür angeklagt worden. Am Dienstag wurde ein überraschendes Urteil gefällt.

VON PHILLIP PLESCH

Valletta/Landsberg – Im Juni 2018 fuhr Claus-Peter Reisch das Rettungsschiff „Lifeline“ mit über 230 Migranten in maltesische Gewässer. Daraufhin wurde er festgenommen und in erster Instanz zu einer Geldstrafe von 10 000 Euro verurteilt. Der Vorwurf: Das Schiff sei nicht richtig registriert gewesen. Im Zuge eines Berufungsverfahrens wurde Reisch, der in Landsberg am Lech wohnt, am gestrigen Dienstag in Valletta, der Hauptstadt Maltas, freigesprochen.

„Wow, unglaublich…“, twitterte Reisch umgehend nach der Gerichtsverhandlung. „Ich habe gewonnen…“ Unserer Zeitung sagte er: „Ich bin froh, dass es rum ist und anerkannt wurde, was ich auf den Tisch gelegt habe.“ Es sei in den zwölf Verhandlungen nicht um Recht gegangen, sondern Politik. „Das Flaggenzertifikat stimmt, und man kann mir nichts in die Schuhe schieben“, sagte er.

„Wir sind sehr überrascht und froh, in der Sache fertig zu sein“, so Axel Steier, Gründer und Sprecher der Dresdener Organisation „Mission Lifeline“, unserer Zeitung. Das Berufungsgericht in Valletta urteilte, die Staatsanwaltschaft habe nicht beweisen können, dass Reisch kriminelle Absichten gehabt habe, als er 2018 in maltesische Gewässer gefahren sei. Für den Sprecher spielt auch der Fall um die ermordete Journalistin Daphne Caruana Galizia auf Malta eine Rolle. Das Land habe sich kein politisches Urteil erlauben können.

Die „Lifeline“ wurde ebenfalls freigegeben. Da das Schiff allerdings zu groß ist, soll es verkauft werden. Dafür hoffen die Seenotretter noch in diesem Frühjahr ihr neues Schiff, die „Rise Above“, in Betrieb zu nehmen. Es wird derzeit in Norddeutschland vorbereitet.

Reisch wird dann nicht mehr als Kapitän für „Mission Lifeline“ aktiv sein. Trotz des Erfolges vor Gericht hat der 58-Jährige die Zusammenarbeit beendet. „Es war sein Wunsch“, sagte Steier. „Es ist okay und zwischen uns ist alles gut.“ Der Prozess habe jetzt 18 Monate gedauert, so Steier weiter. Das sei eine psychische Belastung, die man nicht unbeschadet überstehe.

Anders hört sich die Sichtweise von Reisch an: Zwischen ihm und dem Verein habe es erhebliche Differenzen gegeben, die nicht überwindbar seien. Vor allem mit linksradikalen Aussagen der Organisation habe er ein Problem gehabt. „Das bin ich nicht“, sagte Reisch. Gerüchte, er wolle auch mit der Seenotrettung aufhören, dementierte der Kapitän vehement. Allerdings stehen nun erst einmal andere Projekte im Vordergrund. Reisch ist beispielsweise Botschafter des Wohn- und Kulturzentrums „Bellevue di Monaco“.

Außerdem steht der Landsberger demnächst erneut vor Gericht: dann in Italien. Dort war er ohne Erlaubnis in einen Hafen gefahren – und erhielt dafür einem Strafbefehl über 300 000 Euro Bußgeld. „Wir werden ihn weiter unterstützen und für alle Kosten aufkommen“, sagte „Lifeline“-Sprecher Steier.

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