„Hier bringt uns niemand mehr weg“

von Redaktion

MEIN DORF Marianne Baumgartner kennt in Traubing jeden

Jede Woche beantwortet ein Oberbayer Fragen rund um seine Heimat. Marianne Baumgartner, 67, wurde in Traubing, ein Ortsteil von Tutzing im Landkreis Starnberg, geboren. Sie hat alle wichtigen Ereignisse dort erlebt und hilft heute beim Sozialdienst Pöcking Senioren.

Wo gefällt es Ihnen in Traubing am besten?

Auf der Bank vor meinem Haus. Da treffe ich Nachbarn, Freunde und Familie. Das ist einfach schön. Mein Geburtshaus liegt 50 Meter Luftlinie von dem Haus, in dem ich jetzt wohne. Ich bin hier getauft und gefirmt worden. Ich bin hier zur Schule gegangen, habe hier gearbeitet und ich möchte auch hier sterben.

Wie hat sich Traubing verändert?

Es ist größer. Zu meiner Großmutters Zeiten hatte der Ort 49 Hausnummern. Jetzt gibt es ein Neutraubing (Ried) und wir haben eingemeindet rund 1400 Hausnummern.

Fühlt sich das Dorf jetzt anders an?

Zum Teil. Hier in der Ortsmitte wurden die Häuser saniert, aber es sind noch dieselben. Die Kirche, der Maibaum. Außerdem kenne ich hier jeden. Meine beste Freundin wohnt drei Häuser weiter in ihrem Geburtshaus. Wir kennen uns seit der ersten Klasse. Außerdem habe ich 15 Jahre lang in der Klinik Starnberg die Babys mit zur Welt gebracht. Heute sprechen mich noch viele Menschen an, weil ihnen ihre Mütter erzählt haben, dass ich sie zum ersten Mal angezogen habe. Das ist sehr schön und freut mich jedes Mal.

Wie ist es außerhalb der Ortsmitte?

In der neuen Siedlung sind viele zugezogen. Was mir nicht gefällt, ist, dass die Jungen keinen Dialekt sprechen und die alten Menschen nicht mehr grüßen.

Gibt es viele Vereine?

Ja. Wir haben zwölf, dreizehn Vereine. Das klappt wunderbar, ein Verein unterstützt den anderen. Wir haben heuer 50-jähriges Musikfest. Ich war bei der Gründung dabei, als eines von drei Mädchen mit Klarinette. Heuer feiert die Blaskapelle Traubing groß Jubiläum, mit Festgottesdienst, Osterkonzert und, und, und… Unser Sohn spielt im Trommlerzug die große Trommel. Traubing hat ein tolles Vereinsleben.

Sind Sie nie weggezogen?

Doch. Mein Mann war für zwölf Jahre Zeitsoldat. Dadurch mussten wir nach Olching, München und Ingolstadt ziehen. Aber für mich war immer klar: Nach den zwölf Jahren geht es zurück. Hier bringt uns niemand mehr weg.

Fehlt Ihnen gar nichts?

Nein. Aber in Traubing gibt es nur noch einen Tante-Emma-Laden. Die Jüngeren kaufen in Tutzing oder München ein, aber für die Älteren, die mit dem Rollator nicht mehr in den Bus einsteigen können, schaut es ohne den Laden schlecht aus. Wir hoffen, dass der Tante-Emma-Laden noch lange bleibt.

Interview: Christian Masengarb

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