Schweinfurt Zu den Vorwürfen sagte der Angeklagte Daniel J. kein Wort, doch die Indizienkette scheint wasserdicht: Der 26-jährige Student soll für eine der schlimmsten Lackkratzer-Serien der deutschen Kriminalgeschichte verantwortlich sein. Wegen 642 beschädigter Autos und 930 420 Euro Schaden steht der Veitshöchheimer nun vorm Landgericht Schweinfurt – doch tatsächlich macht ihn Staatsanwalt Michael Storr für 1731 Kratzer mit 2,36 Millionen Euro Schaden verantwortlich.
Am 19. April 2018 alarmierte eine Zeugin um 3 Uhr morgens die Polizei, die sich nach 39 Kratzer-Serien in Würzburg, Veitshöchheim und Schweinfurt ohnehin schon mit Zivilstreifen auf die Lauer gelegt hatte. Daniel J. gab an, er habe sich nur die Beine vertreten wollen. Doch auf der Wache sicherten die Beamten an seiner Hand Lackspuren – und in seinem Handy Notizen. Er hatte sich Straßen und Zahlen aufgeschrieben, die zu einer Würzburger Serie passten. Noch belastender waren aber seine Puma-Schuhe der Größe 40,5. Ermittler Karl-Rudolf W. sagt: „Die Abdrücke waren identisch mit Schuhspuren, die am 20. März bei Sachbeschädigungen in der Schweinfurter Stresemannstraße gesichert worden waren.“
Als ein Polizeihund am festgenommenen Daniel J. Fährte aufnahm, führte er die Ermittler zu den beschädigten Fahrzeugen der 40. und letzten Serie rund um den Schweinfurter Hauptbahnhof. Der Verteidiger des Mannes hält die Indizienkette für dünn: „Dieser Schuh ist ein Massenmodell, der beweist gar nichts“, sagt Bernhard Löwenberg. Das Urteil soll am 8. April fallen.