Sozialwirtschaft leidet unter Fachkräftemangel

von Redaktion

München – Die Zahlen sind erstaunlich, die Aufmerksamkeit dafür eher gering. Mit gut 444 500 Beschäftigten war die Sozialwirtschaft 2017 nach dem Einzelhandel (rund 557 500) der zweitgrößte Wirtschaftszweig Bayerns. Von 2013 bis 2017 wuchs sie um 17,09 Prozent. Das ergab die Studie „Sozialwirtschaft Bayern 2020“ , die von der Freien Wohlfahrtspflege Bayern (FW) in Auftrag gegeben worden war. Davon berichteten Brigitte Meyer, Vizepräsidentin des Bayerischen Roten Kreuzes, und Landes-Caritasdirektor Prälat Bernhard Piendl, als Meyer turnusgemäß den Vorsitz der FW an Piendl weitergab. Dabei verpassten es beide nicht, die Bedeutung des sozialen Sektors zu betonen. „Er ist die Basis für eine florierende Wirtschaft“, sagte Piendl. „Weil er die Rahmenbedingungen setzt, um wirtschaftliche Entwicklung zu ermöglichen.“ Die Studie ergab außerdem, dass jährlich über eine Million Menschen in Bayern Dienstleistungen der Sozialwirtschaft in Anspruch nehmen. „Soziale Leistungen braucht man immer“, sagte der Prälat. Daher biete die Sozialwirtschaft ein relativ krisensicheres Beschäftigungsumfeld. Umso kritischer sind der bestehende Fachkräftemangel und das Alter der Beschäftigten in der Sozialwirtschaft zu sehen. Um dem entgegenzuwirken, nannte Piendl exemplarisch drei Aspekte: ausbilden, um neue Fachkräfte zu gewinnen, auch wenn das zulasten des Pflegesatzes geht. Den Wiedereinstieg – beispielsweise für Mütter – erleichtern. Und durch gezielte Projekte Fachkräfte aus dem Ausland gewinnen. Zu den Aufgaben in diesem Jahr zählte Piendl die Behindertenhilfe, die Neufassung der Beratungs- und Integrationsrichtlinie in der Asyl- und Migrationsberatung und die Umsetzung des Gute-Kita-Gesetzes.

Kritisch blickte Brigitte Meyer in ihrem Bericht auf das vergangene Jahr zurück. Ein Gespräch mit Ministerpräsident Markus Söder kam bisher nicht zustande – entgegen der Tradition seiner Vorgänger Horst Seehofer und Edmund Stoiber. „Eine Haltung des Ministerpräsidenten, die beim Vorstand der FW auf großes Unverständnis gestoßen ist“, sagte Meyer. Ein weiteres Ärgernis waren für sie die „ganz zähen Budgetverhandlungen mit den Kassen bei der Frage der Umsetzung des Pflegeberufegesetzes“. „Erst in einem Schiedsverfahren setzte der Vorsitzende der Schiedsstelle differenzierte Pauschalen für die Ausbildung fest“, berichtete Meyer. Dagegen haben die Kassen Rechtsmittel eingelegt – zum Unverständnis der FW-Vorsitzenden.  pp

Artikel 7 von 11