Rien ne va plus – nichts geht mehr. Heute, 18 Uhr, endet die Frist zur Einreichung von Wahlvorschlägen für die Kommunalwahl am 15. März. Wer bis jetzt nicht seine Kandidatur als Gemeinderat oder gar Bürgermeister angemeldet hat, der kommt zu spät. Ganz spannend machte es der Bürgermeister in Oberammergau, Arno Nunn, der erst am Montag den Verzicht auf eine erneute Kandidatur bekannt gab. Immerhin: Es gibt zwei Nachfolgekandidaten.
Schon jetzt ist klar: Die ursprüngliche Befürchtung, es werde – aus Angst vor Anfeindungen? – bayernweit zu wenig Bewerber geben, „hat sich nicht bestätigt“, sagt Andreas Gaß vom Bayerischen Gemeindetag. In jeder der 2056 Gemeinden und Städte Bayerns gibt es zumindest eine Gemeinderatsliste und (sofern gewählt wird) auch einen Bürgermeisterkandidaten. Knapp 40 000 kommunale Mandate – vom Gemeinderat bis zum OB – sind zu vergeben. Wie jede Wahl wird auch diese viele Eigentümlichkeiten haben. Ein paar Beispiele:
Kampf um Großstädte
In Nürnberg und Augsburg werden neue Oberbürgermeister gesucht. Nürnbergs OB Ulrich Maly (SPD) hört nach 18 Jahren auf. Nachfolgechancen werden Vizefraktionschef Thorsten Brehm (SPD), CSU-Stadtratsfraktionschef Marcus König und der Grünen-Landtagsabgeordneten Verena Osgyan nachgesagt. In Augsburg verzichtet OB Kurt Gribl (CSU). Die CSU setzt nun auf eine Frau, die bisherige zweite Bürgermeisterin Eva Weber, der gute Chancen eingeräumt werden. Die SPD schickt Ordnungsreferent Dirk Wurm in die Wahl, die Grünen Martina Wild, die AfD setzt auf den Landtagsabgeordneten Markus Bayerbach. Interessant aus oberbayerischer Sicht: Wer regiert künftig Rosenheim? Oberbürgermeisterin Gabi Bauer (CSU) hört nach 18 Jahren auf. Insgesamt werfen sieben Kandidaten ihren Hut in den Ring. Als aussichtsreich gelten neben Andreas März (CSU) Franz Opperer (Die Grünen) und Christine Degenhart (Freie Wähler).
Landräte
In 61 von 71 Landkreisen werden die Landräte gewählt. Dabei endete in Dingolfing-Landau eine Ära: Der dienstälteste Landkreischef, Heinrich Trapp (SPD), tritt nach fast 30 Jahren im Amt nicht mehr an. Viele Blicke werden sich nach Günzburg wenden, wo Noch-Verkehrsminister Hans Reichhart (CSU) Landrat werden will. Kurios: Vier Landräte (in Ansbach, Kitzingen, Schweinfurt, Unterallgäu) amtieren schon seit 2012. Sie wurden damals außerplanmäßig gewählt – eine Übergangsregelung im Kommunalwahlrecht macht die XXL-Amtsperiode möglich.
Der Senior
Über 70-jährige Gemeinderäte sind in Bayern keine Seltenheit, ein 73 Jahre alter Bürgermeister hingegen schon: Hermann Anselstetter (SPD), Rathauschef im oberfränkischen Wirsberg (2000 Einwohner), ist auch nach 42 Jahren nicht amtsmüde: Er stellt sich zum achten Mal zur Wiederwahl. Rekord! Übrigens: Bei Bürgermeistern im Nebenberuf gibt es keine Altersgrenze. Bei Hauptamtlichen endet die Wählbarkeit mit 67 (gezählt wird ab Beginn der Amtszeit, also 1. Mai 2020).
Die Jüngsten
Null Bock auf Politik? Das gibt es nicht. Viele Junge streben ganz nach oben. In Kolbermoor etwa will der erst 22-jährige Junglehrer Leonhard Sedlbauer Bürgermeister werden, in Freising schielt der 21-jährige Tobias Weiskopf (FDP) auf den Landratsposten. Einer der Jüngsten überhaupt dürfte der 20 Jahre alte angehende Kunstschlosser Tarek Luft aus Gauting (Kreis Starnberg) sein, der für eine freie Gruppierung und die Piratenpartei als Bürgermeister kandidiert.
Und sonst
„Fridays for future“ liebäugelt mit eigenen kommunalen Klima-Listen (Kempten, Erlangen). Die AfD setzt in Burghausen auf eine bekennende Transsexuelle als Bürgermeister-Kandidatin. Und in Altötting versprach ein Kandidat, er werde im Falle seiner Wahl monatlich 1000 Euro seiner Bezüge für Freibier spendieren. Wird also spannend. mm/dw