Völlig offen ist der Ausgang der OB-Wahl in der Bezirkshauptstadt Regensburg, die seit vier Jahren mit einer Korruptionsaffäre zu kämpfen hat. Amtsinhaber Joachim Wolbergs ist wegen entsprechender Vorwürfe seit 2017 vorläufig vom Dienst suspendiert. In einem ersten Verfahren wurde er wegen Vorteilsannahme (nicht rechtskräftig) verurteilt, aktuell läuft ein zweiter Prozess. Dennoch tritt er mit einem eigenen Verein („Brücke“) erneut zur Wahl an. Seine frühere Partei, die SPD, hat Gertrud Maltz-Schwarzfischer (59) zur Spitzenkandidatin gekürt. Die Bürgermeisterin hat seit Wolbergs’ Suspendierung die Amtsgeschäfte geführt und geht mit einem entsprechenden Bonus ins Rennen, gilt aber als etwas farblos. Für die CSU steigt die Bundestagsabgeordnete Astrid Freudenstein (45) in den Ring. Sie präsentiert sich als frisches junges Gesicht der Partei und könnte trotz geringer kommunalpolitischer Erfahrung vom Zweikampf Wolbergs – Maltz-Schwarzfischer profitieren. Lediglich Außenseiterchancen dürfte Grünen-Kandidat Stefan Christoph (31) haben. Der Politikwissenschaftler und Bezirksrat gehört nicht zu den bekannten Gesichtern der Partei und ist kommunalpolitischer Neuling. Da es mit Ludwig Artinger (Freie Wähler), Horst Meierhofer (FDP), Irmgard Freihoffer (Linke) und Benedikt Suttner (ÖDP) vier weitere Kandidaten gibt und bis zuletzt noch drei Wählervereinigungen Unterschriften sammeln, um ebenfalls mit einem Kandidaten antreten zu dürfen, fällt die endgültige Entscheidung wohl erst in der Stichwahl. STEFAN AIGNER