München – Schnaufend quält sich eine ältere Dame mit ihrem Koffer die Treppen am Hauptbahnhof hinunter. Passanten drängeln sich an ihr vorbei. Oben steht eine Mutter mit Kinderwagen, ihr Blick ist ratlos. Wie soll sie da runterkommen? Szenen wie diese sind Alltag am Hauptbahnhof. Immer wieder sind Rolltreppen und Aufzüge kaputt. Und nicht nur dort: Unsere Zeitung berichtet regelmäßig über Ausfälle und Störungen. So wie jüngst im S-Bahnhof Hebertshausen (Landkreis Dachau). Dort war der Aufzug zwei Monate lang defekt.
Im aktuellen Fall hatte die Treppe am Hauptbahnhof München, die von der Haupthalle hinunter ins Sperrengeschoss führt, ihren Geist aufgegeben. Der Groll von Pendlern und Passanten ist groß, zumal sie ohnehin wegen des Umbaus des Hauptbahnhofs oft Umwege in Kauf nehmen müssen. „Meine Mutter sitzt im Rollstuhl. Ich weiß gar nicht, wie ich sie zur S-Bahn bekommen soll“, sagt etwa Ulrike Dörner-Schaal (62).
Rund 45 000 Menschen strömen jeden Tag durch den Hauptbahnhof. Viele nutzen die Rolltreppe von der Haupthalle ins Sperrengeschoss. Diese wichtige, weil direkte Verbindung zur S-Bahn war von vergangenem Donnerstag bis gestern Mittag außer Betrieb, da der Antrieb der Rolltreppe defekt war. Nicht gerade ein Aushängeschild für München, finden Reisende wie Clara Scharpf (25). „Ich würde sagen, kaputte Rolltreppen – das ist typisch München“, so die Praktikantin.
Auch S-Bahn-Fahrgäste müssen mit Einschränkungen rechnen: Zwei Rolltreppen, die zum S-Bahnsteig führen, werden derzeit im Rahmen der Modernisierung der Tunnelstationen komplett erneuert – und stehen deshalb still (Stand gestern). Nach Auskunft einer Bahnsprecherin sollen sie bald wieder in Betrieb gehen. Fahrgäste können sich online über die App „DB Barrierefrei“ über aktuelle Störungen informieren.
Selbiges gilt für die Anlagen der MVG, die 38 Rolltreppen und sieben Aufzüge im Hauptbahnhof betreibt (www.mvg-zoom.de). Ein MVG-Sprecher betont, dass die Rolltreppen dort alle zwei Monate inspiziert werden.
Die Bahn setzt auf ein Ferndiagnosesystem, an das alle DB-Rolltreppen angeschlossen sind. „Das System erfasst ständig und live die Zustandsinformationen der Aufzüge und Fahrtreppen und überträgt diese automatisch an die zuständigen Betriebszentralen der Bahnhöfe“, sagt die Sprecherin. Dadurch könnten im Störfall Reparaturen „umgehend angegangen“ werden. Dank der digitalen Überwachung sei die generelle Verfügbarkeit von Rolltreppen und Aufzügen „um rund acht Prozent auf jetzt fast 97 Prozent“ bundesweit gestiegen. Bei der tagelang kaputten Rolltreppe hat alles nichts genützt – es mussten neue Teile her.