München – Einer der bekanntesten Sätze der Klimaaktivistin Greta Thunberg lautet „I want you to panic“. Bayerns Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm hält von Panik gar nichts, wenn es um die Gestaltung der Zukunft geht. „Wir brauchen gelassene Entschlossenheit“, sagte er gestern im Münchner Presseclub und erklärte, welche Aufgaben vor den beiden christlichen Kirchen liegen.
„Es gibt keine Zukunft der Kirche, außer einer ökumenischen“, betonte er. Er fordere kein homogenes Gebilde beider christlichen Kirchen, stellte er klar. Aber es gebe kein evangelisches oder katholisches Leid – sondern nur menschliches. Und darauf müssten die Kirchen gemeinsam reagieren.
Teilweise tun sie das bereits – zum Beispiel beim Thema Seenotrettung. Das von der evangelischen Kirche initiierte Bündnis „United4Rescue“ will ein Schiff zur Rettung von Flüchtlingen ins Mittelmeer schicken. Im Dezember feierten Bedford-Strohm und Kardinal Reinhard Marx einen ökumenischen Gottesdienst im Münchner Liebfrauendom, um den auf der Flucht ertrunkenen Menschen zu gedenken und mahnende Worte an die Politik zu richten. Beide müssen für ihr Engagement in dieser Sache viel Kritik aushalten – und haben auch Drohungen erhalten. Er könne damit leben, in manchen Kreisen eine Hassfigur zu sein, betonte der Landesbischof gestern. Seine innere Ruhe und seine Haltung zu dem Thema würden durch Drohungen nicht beeinflusst, sagte er: „Wir können nicht aus Abschreckungsgründen Menschen ertrinken lassen.“ Es ist ein Thema, bei dem er leidenschaftlich wird – vor allem, wenn Kritiker ihm vorwerfen, dass die Kirche zu wenig in den Heimatländern der Flüchtenden tue. Oder für die Hilfsbedürftigen in Deutschland. „Das lasse ich mir nicht sagen“, betonte er. Die Kirche engagiere sich seit Jahren in Afrika und für Menschen in Not.
Auch mit der Kritik, die Kirche tue zu wenig, um die Missbrauchsfälle aufzuarbeiten, wird Heinrich Bedford-Strohm regelmäßig konfrontiert. Gestern sagte er, dass man über die Verjährungsfristen im Umgang mit sexuellem Missbrauch diskutieren müsse. „Man muss darüber nachdenken, ob die Fristen angemessen sind.“ Denn da viele Fälle verjährt sind, sei es für die Kirchen schwer, alle Täter angemessen zur Rechenschaft zu ziehen. Dennoch sei viel passiert, seit durch die Synode ein Elf-Punkte-Plan auf den Weg gebracht wurde. Genauso wichtig sei es aber, über Präventionsmöglichkeiten nachzudenken. Die Evangelische Kirche in Deutschland wolle deswegen eine Studie in Auftrag geben, die mit Einbeziehung der Opfer Missbrauchsfälle untersuchen werde, um Gefahrenquellen aufzuschlüsseln und offen zu legen, wo die Kirche präventiv mehr tun könne.