München – Bald ist es wieder so weit: Am 4. Mai gibt es Übertrittszeugnisse für die Viertklässler. Wer in den Fächern Deutsch, Mathematik und Heimat- und Sachunterricht einen Durchschnitt von 2,33 oder besser hat, kann aufs Gymnasium wechseln; bei 2,66 ist der Besuch der Realschule möglich, alle schlechteren Schnitte erlauben nur den Besuch der Mittelschule. Jedes Jahr gibt es Elternklagen über die stressige vierte Klasse, denn die Zahl der Proben, aus denen die Übertrittsnoten gebildet werden, ist in der Schulordnung für die Grundschulen genau festgelegt: Als Richtwert werden im Fach Deutsch zwölf, in Mathematik und HSU je fünf Proben empfohlen.
Kultusminister Michael Piazolo hat sich kürzlich in einem zweistündigen Gespräch mit der Spitze des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands zum Thema Übertritt ausgetauscht. Vor allem die große Zahl der Proben habe ihn nachdenklich gestimmt, berichtet BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann. Ergebnis: ein Reformprozess beim Übertritt. „Ich schlage vor, in der vierten Klasse der Grundschule die Zahl der Proben maßvoll zu reduzieren“, erklärte Piazolo gegenüber unserer Zeitung. „Ich möchte mit Lehrkräften und Eltern hierzu in den Dialog treten.“ Der BLLV sieht es positiv. „Wir begrüßen das als ersten Schritt“, sagt BLLV-Chefin Fleischmann. Letztlich müsse aber der Übertritt durch einen veränderten Leistungsbegriff weiter reformiert und den Schulen vor Ort mehr Freiheit eingeräumt werden, wie sie Leistungen der Schüler erheben. Es müssten nicht immer nur Proben sein.
Die Initiative Piazolos hat zwei Stoßrichtungen: Zum einen soll etwas Druck von Eltern und Schülern genommen und das Grundschul-Abitur ein Stück weit leichter werden. Zum zweiten ist der Vorstoß auch als Signal an die Lehrer zu verstehen. Denn weniger Proben bedeuten weniger Korrekturarbeiten – wenigstens ein kleiner Ausgleich für die Lehrer, denen das Ministerium Mehrarbeit zumutet.
Auch zu diesem Thema gibt es in Details Neuigkeiten. So soll die Mehrarbeit von einer Schulstunde je Woche auf dann 29 Unterrichtsstunden im nächsten Schuljahr zunächst nur ein Fünftel der Lehrer betreffen. Die Stunde wird wie berichtet auf einem Arbeitszeitkonto gutgeschrieben – das Ministerium nennt das „Ansparphase“. Dazu heißt es in einer Antwort auf eine Anfrage der Landtags-SPD: „Die Ansparphase soll dabei gestaffelt nach Alterskohorten zeitversetzt stattfinden.“ Nach einigen Jahren wird die Stunde zurückgegeben, das heißt, der Lehrer arbeitet dann nur 27 Stunden.
Die SPD beklagt, weitere Maßnahmen beträfen vor allem ältere Lehrerinnen. So ergebe die Anhebung der Mindeststundenzahl bei der Teilzeit und das Aussetzen des Ruhestands ab 64 (künftig: 65) insgesamt 910 Stellen. Das Kultusministerium kündigt in der Antwort auf die SPD-Anfrage auch eine Kampagne für das Lehramt an Grund- und Mittelschulen an.