Waffennarr erschoss Familie

von Redaktion

Spektakuläre Wende im Fall der getöteten Starnberger Familie: Die Polizei gab bekannt, dass es doch kein Familiendrama war. Die drei Starnberger wurden von einem 19-jährigen Olchinger ermordet.

VON PHILLIP PLESCH

Fürstenfeldbruck/Starnberg – Der Fall ging vor zwei Wochen durch die Medien. In einem Starnberger Wohnhaus fand die Polizei drei Leichen. Sie ging von einem Familiendrama aus. Umso größer war gestern das Interesse, als die Polizei eine spektakuläre Wende bekannt gab. Zahlreiche Fernsehkameras bäumten sich vor dem Rednerpult in der Fürstenfeldbrucker Polizeiinspektion auf. Zwei Polizeivertreter sowie zwei Vertreterinnen der Staatsanwaltschaft München II stellten sich den Fragen der Journalisten. Alles soll sich anders abgespielt haben, als zunächst vermutet worden war.

Ursprünglich war die Kripo davon ausgegangen, dass ein 21-Jähriger in einem Starnberger Wohnhaus erst seine Eltern, eine 60-jährige Heilpädagogin und einen 64-jährigen Lichttechniker, und dann sich selbst umgebracht hatte. Nun korrigierte die Polizei diese Meldung. Wie weitere Untersuchungen ergeben haben, soll die Starnberger Familie von einem 19-jährigen Olchinger (Landkreis Fürstenfeldbruck) erschossen worden sein.

Auf den jungen Mann stieß die Polizei bei Ermittlungen im Umfeld des 21-jährigen Starnbergers. Die jungen Männer sollen befreundet gewesen sein. „Die freundschaftliche Beziehung zwischen beiden kam wohl durch die Affinität zu Waffen zustande“, sagte Manfred Frei, Leiter der Kriminalpolizei Fürstenfeldbruck. Bei der Hausdurchsuchung in Olching stellten die Polizisten im Dachgeschoss ein ganzes Waffenarsenal sicher. Teile davon gehörten wohl dem 21-Jährigen, der in München eine Ausbildung zum Büchsenmacher machte. Der Olchinger hingegen war als arbeitssuchender Industriemechaniker gemeldet.

Zunächst warf die Polizei dem 19-Jährigen einen Verstoß gegen das Kriegswaffengesetz vor. Am Donnerstag machte er dann überraschenderweise das Geständnis, für die Tat in Starnberg verantwortlich zu sein. Nun sitzt er wegen Mordverdachts in U-Haft. Hilfe bekam er vermutlich von einem 18-Jährigen aus dem Landkreis Starnberg, der bei der Hausdurchsuchung zufällig gerade zu Besuch war. Er soll den Olchinger zum Tatort gefahren und wieder abgeholt haben. Außerdem wusste er, dass der 19-Jährige die Absicht hatte zu töten. Er sitzt wegen Beihilfe zum Mord in U-Haft.

Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass der Täter das Starnberger Wohnhaus in den Morgenstunden des 11. Januars betreten hat. Das Haus war eigentlich mit einem Code verriegelt. Den kannte der Olchinger jedoch von seinem 21-jährigen Freund. Zunächst erschoss der 19-Jährige dann seinen Freund, dann brachte er dessen Eltern um. „Es wurden zwölf bis 15 Schüsse abgegeben“, berichtete Staatsanwältin Ines Wiesner. „Nicht jede Patrone traf ein Opfer.“ Ein Schuss hatte wie berichtet den Hund der Familie erwischt. Als Tatwaffen wurden eine Walther 6,35 mm Browning und eine Glock 9×19 mm sichergestellt.

Als die Polizisten am 12. Januar gegen 17.20 Uhr das Haus in Starnberg durchsuchten, lag der 21-Jährige erschossen in seinem Bett. Er war zugedeckt, in der Hand hielt er eine der Waffen. Die hatte ihm wohl der 19-Jährige dort hineingelegt, um es nach Selbstmord aussehen zu lassen. „Es ist wahrscheinlich, dass die Tat so durchgeführt wurde, wie der Verhaftete sie schildert“, sagte Kripo-Chef Manfred Frei. Nach der Tat habe der Olchinger den Tatort gefilmt. Das Video konnte von der Polizei im Zuge der Ermittlungen wiederhergestellt werden.

Wie Staatsanwältin Andrea Mayer mitteilte, hatten einige Ungereimtheiten am Tatort und die Schwere des Verbrechens dafür gesorgt, dass bei den Ermittlungen alle Register gezogen worden seien. Zum Motiv und zur Motivation des Täters gebe es noch keine genauen Informationen. Die Vernehmungen laufen.

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