Einsamen Senioren etwas Zeit schenken

von Redaktion

Wer im Alter allein lebt und nicht mehr so mobil ist, könnte vereinsamen. Dagegen arbeiten Ehrenamtliche in ganze Bayern, die Senioren zu Hause besuchen und mit ihnen Zeit verbringen. Der Bedarf ist groß, Freiwillige werden überall gesucht – und für sie wurde nun eine neue Schulung konzipiert.

VON NINA PRAUN

München – Einfach nur dasein, etwas erzählen, zuhören. Einfach Zeit schenken – das tun viele engagierte Ehrenamtliche in ganz Bayern, die einsame Senioren besuchen. „Es ist genau dieser Besuch, dieser Moment, der dem anderen Freude macht, und das zählt“, sagt Adelheid Widmann. Sie ist Theologin und Abteilungsleiterin Seniorenpastoral des Erzbischöflichen Ordinariats München und hat nun zusammen mit einer Kollegin eine neue Schulung für Menschen konzipiert, die Senioren Zeit schenken wollen. Denn, so Widmann: „Es gibt einen riesigen Bedarf.“

Die Menschen in Deutschland werden immer älter, und je älter sie werden, desto einsamer werden sie. Speziell die Frauen: 2017 lebten 73 Prozent der über 85-jährigen Frauen alleine. Wobei das Alleinleben noch kein grundsätzliches Problem ist, solange man noch körperlich fit ist, erklärt Widmann: „Uns geht es um Menschen, die nicht mehr so mobil sind, und nicht mehr so gut am Leben teilhaben können.“ Und diese Gruppe ist groß: Drei Viertel der Pflegebedürftigen in Deutschland werden zu Hause gepflegt, von Angehörigen oder ambulanten Pflegediensten. Seelsorger in allen Pfarreien beobachten diese Entwicklung, so Widmann. „Und sie können nicht allein 50 Leute besuchen.“

Genau so ergeht es Rita Dollberg, die ehrenamtlich in der Pfarrei Christi Himmelfahrt in Waldtrudering im Besuchsdienst tätig ist. Seit 20 Jahren besucht die 64-Jährige selber Senioren. Sie hat einige Helfer, doch auch die sind schon etwas älter. „Der Personenkreis unserer Helfer hat einen sehr hohen Altersdurchschnitt, und manche ziehen sich nun langsam zurück“, berichtet Dollberg. Sie braucht: unbedingt Nachwuchs. Also hatte Dollberg die Erzdiözese um Hilfe gebeten – und die wiederum reagierte mit der neuen Schulung. „Es ist wirklich eine gute Sache, wenn die neuen Mitarbeiter fundiert informiert werden“, sagt Dollberg.

An drei Abenden werden die Interessierten in verschiedenen Bereichen unterrichtet, elf Menschen haben sich bereits angemeldet. Sie ergründen die eigene Motivation, wie gute Kommunikation und Beziehungsgestaltung funktioniert, sie lernen, wie man mit Demenzkranken umgeht – und wie man Grenzen setzt. „Manchmal haben die Betroffenen unterschiedliche Erwartungen“, erklärt Widmann: Die Helferin will etwa zweimal im Monat zum Reden vorbeikommen, doch die Seniorin wünscht sich so viel mehr. „Da braucht man Klarheit für sich selbst“, betont die Theologin. Auch Dollberg weiß: „Es läuft nicht immer alles super-duper. Manchmal stimmt vielleicht auch die Chemie nicht so ganz. Doch das ist wirklich die Ausnahme.“ Sie selbst hat einige Senioren begleitet, eine Dame sogar bis zu deren Tod. Und sie weiß, wie schön diese Aufgabe sein kann: „Sie gibt Zufriedenheit und Lebensfreude.“

Und welche Voraussetzungen brauchen die Freiwilligen? „Man muss nur bereit sein, Zeit zu investieren und damit anderen Freude zu schenken“, sagt Dollberg. Widmann fügt hinzu: „Vielleicht geht es auch ein bisschen darum, dass wir nicht immer nur an unsere Selbstoptimierung denken. Dass wir nicht nur für uns selbst Verantwortung übernehmen – sondern auch für die gesamte Gesellschaft.“

Die Anmeldung

zur Schulung ist bis morgen im Pfarrbüro möglich: unter Telefon 089/430 4116 oder unter info@christi-himmelfahrt-muenchen.de.

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