Coronavirus-Angst im Lufthansa-Jet

von Redaktion

Zum Schutz vor dem Coronavirus streicht die Lufthansa ihre Flüge nach China. Davon betroffen ist auch der Flughafen München. Dort gibt es aber auch für den Notfall Pläne.

VON CLAUDIA SCHURI UND CHRISTIAN EBNER

München – Eigentlich hätten in den nächsten Tagen mehrere Lufthansa-Maschinen vom Flughafen München nach Peking und Shanghai abheben sollen. Doch die Flugzeuge bleiben auf dem Boden – denn die Lufthansa und ihre Töchter Austrian und Swiss streichen die Flüge von und nach China. Grund dafür ist das Coronavirus, mit dem sich in China bereits Tausende infiziert haben. Die Maßnahme soll zunächst bis zum 9. Februar gelten. Fluggäste mit einem Ticket zwischen dem 24. Januar und dem 23. Februar können kostenlos stornieren oder auf einen späteren Flug umbuchen. Die Buchungsannahme nach China hat Lufthansa bis Ende Februar gestoppt. Um Crews und Passagiere aus China zurückzuholen, sollen sämtliche Ziele nur noch einmal angeflogen werden.

Normalerweise gibt es jede Woche rund 40 Flugbewegungen zwischen dem Flughafen München und China – viele davon werden von Lufthansa geflogen. „Non-Stop-Flüge bietet außer der Lufthansa nur noch die Air China an“, sagt Florian Steuer, Pressesprecher des Flughafens München. Diese Airline hat bis Redaktionsschluss keine Flugabsagen angekündigt.

Lufthansa folgt mit der Entscheidung ihrem Konkurrenten British Airways, der bereits am Mittwochmorgen bekannt gegeben hatte, die Flüge zwischen Großbritannien und China einzustellen. Lediglich Hongkong fliegt die Lufthansa wie geplant weiterhin an. Auch vom Flughafen München gibt es Direktverbindungen in die Sonderverwaltungszone.

Zunächst flog Lufthansa gestern noch nach China. „Wir verfolgen natürlich die Entwicklung ganz genau und sind in enger Abstimmung mit den deutschen und den ausländischen Behörden“, erklärte Unternehmenssprecher Thomas Jachnow. Am späten Mittwochnachmittag sagte der Konzern dann die Flüge ab. Zuvor hatte es an Bord einer Lufthansamaschine einen Corona-Verdachtsfall gegeben. Das Flugzeug war von Frankfurt aus nach Nanjing in Ostchina geflogen. Unter den Passagieren war ein Chinese, der zwar fieberfrei war, aber gehustet haben soll. Zwei Wochen zuvor soll er in der Stadt Wuhan gewesen sein, in der es besonders viele Infizierte gibt. Die chinesischen Behörden stuften den Mann als Risikofall ein. Ob er tatsächlich infiziert ist, blieb zunächst unklar. Die Passagiere, die drei Reihen vor und hinter dem Patienten saßen, sowie die Crew wurden untersucht. Danach flog das Bordpersonal mit der nächsten Maschine als Passagiere wieder zurück nach Frankfurt.

Am Flughafen München setzt man nun verstärkt auf Information: „Es wurden Plakate für die Passagiere aufgehängt“, berichtet Flughafensprecher Florian Steuer. „Darauf stehen auf Deutsch, Englisch und Mandarin Sicherheitshinweise und eine Telefonnummer, an die man sich wenden kann.“ Besteht der Verdacht auf eine Infizierung mit dem Virus, übernimmt die Task-Force Infektiologie, die beim bayerischen Landesamt für Gesundheit angesiedelt ist. „Sie ist 24 Stunden erreichbar und es gibt Alarmpläne“, sagt Steuer.

Wenn das Flugpersonal beobachtet, dass ein Passagier Symptome zeigt, rücken sofort Mitglieder der Task-Force in Schutzkleidung aus und entnehmen unter anderem Proben für das Labor. Sie kümmern sich auch darum, dass Patienten auf eine Sonderisolierstation ins Krankenhaus kommen. Alle Flughafenangestellten seien sensibilisiert, Angst herrsche aber nicht, sagt Steuer: „Die Mitarbeiter wurden über das Intranet sachlich aufgeklärt und wissen auch, dass die Ansteckungsgefahr für sie sehr gering ist.“

Artikel 3 von 11