Vom Übergangsverwalter zum Bischof

von Redaktion

Mit Bertram Meier besetzt ein hochrangiger Geistlicher aus dem Bistum Augsburg künftig dort den Bischofsstuhl. Er sei einer aus demselben Stall wie die Gläubigen, betont er. Der volksnahe Meier wirkt wie ein Gegenentwurf zu seinem Amtsvorgänger.

Augsburg – Nach knapp sieben Monaten hat Papst Franziskus einen neuen Bischof für Augsburg ernannt und dabei auf eine regionale Lösung gesetzt. Der aus der Diözese stammende Augsburger Domdekan Prälat Bertram Meier soll künftig das Bistum mit knapp 1,3 Millionen Katholiken leiten. Der 59-Jährige führt das Bistum bereits seit Juli vergangenen Jahres als Diözesanadministrator, nachdem der bisherige Bischof Konrad Zdarsa damals mit 75 Jahren in den Altersruhestand ging.

Die Ernennung Meiers gab der Vatikan am Mittwochmittag bekannt. Zeitgleich wurde der neue Bischof bei einem Gottesdienst im Dom von Augsburg verkündet. Hunderte Gläubige waren gekommen und applaudierten Meier lange. Zahlreiche Besucher der Kathedrale standen in den Gängen, weil sie keine Sitzplätze mehr fanden.

Durch seine bisherige Arbeit ist Meier in der Diözese bestens bekannt. Hirte und Herde seien nun in Augsburg „aus einem Stall“, sagte er nach der Ernennung. Es kommt in der katholischen Kirche nicht so oft vor, dass Geistliche in ihrem eigenem Heimatbistum zum Bischof ernannt werden.

Mit Meier hat der Pontifex zudem einen Geistlichen zum Oberhirten berufen, der im Missbrauchsskandal der katholischen Kirche nichts beschönigen will. Erst vor wenigen Wochen hatte Meier eine Kommission zur Untersuchung von Jahrzehnte zurückliegenden Missbrauchsfällen in zwei Kinderheimen im Kreis Augsburg eingesetzt. Ausgerechnet am Mittwoch sollte das mit prominenten Juristen besetzte Gremium vorgestellt werden. Der Termin wurde wegen der Bischofsernennung kurzfristig abgesagt, soll aber bald nachgeholt werden.

„Es ist mir ein wichtiges Anliegen“, sagte Meier gestern zu der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle. „Reine Entschuldigungen helfen nicht.“ Es bleibe ein Thema in der Kirche, auch in Zukunft müsse es um Aufklärung und Prävention gehen. Im Bistum Augsburg sei aber auch bisher nichts verdrängt worden, betonte er.

Mit seiner Nähe zu den Gläubigen wirkt Meier fast wie ein Gegenentwurf zu seinem Vorgänger. Als Zdarsa vor zehn Jahren als Bischof der ostdeutschen Diözese Görlitz nach Bayern wechselte, war mitunter davon die Rede, dass der neue Oberhirte mit seiner Aufgabe fremdele beziehungsweise die Augsburger mit ihm. Später wurde Zdarsa vorgeworfen, dass er sich zu selten öffentlich zu den Problemen der Zeit äußere. Schließlich machte der Bischof gegen Ende seiner Amtszeit klar, dass er wenig vom „synodalen Weg“ hält, den die Deutsche Bischofskonferenz zur Aufarbeitung struktureller Fragen in der Folge des Missbrauchsskandals beschlossen hat.

Bereits 2010 galt Meier als Bischofsanwärter in Augsburg. Damals wurde ein Nachfolger für Walter Mixa gesucht, der als Bischof zurückgetreten war, nachdem ihm die körperliche Misshandlung von Heimkindern vorgeworfen worden war. Am 21. März soll Meier in der Augsburger Kathedrale die Bischofsweihe erhalten.

Der 59-Jährige stammt aus Buchloe im Allgäu, später lebte er in Kaufering (Kreis Landsberg). Von 1996 bis 2002 leitete er in Rom die deutschsprachige Abteilung im Vatikanischen Staatssekretariat, ehe er wieder in seiner bayerischen Heimat verschiedene Leitungsfunktionen übernahm.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, sagte, er empfinde es als besonderes Zeichen der Wertschätzung, dass der Papst einen Priester des Diözesanklerus zum Bischof von Augsburg ernannt habe. „Er ist mit der Diözese vertraut und den Menschen nah“, betonte auch Augsburgs Oberbürgermeister Kurt Gribl.

Auch die Pfarrer aus dem Bistum freuten sich gestern über die Nachricht. Pfarrer Sebastian Schmidt von der Pfarreiengemeinschaft Altenstadt (Kreis Weilheim-Schongau) fuhr sogar zur Ernennung nach Augsburg. Er schätzt an Meier, dass er weltoffen sei und verschiedene geistliche Richtungen gut verbinden könne. Die Vorsitzende des Pfarrgemeinderats von Mariae Himmelfahrt in Schongau, Regina Jocher, freut sich darüber, dass der neue Bischof aus den eigenen Reihen kommt. Sie hofft, dass er ein guter Vermittler zwischen Amtskirche und den Gläubigen ist und die Kirchen des Bistums stärkt.  lby/kna/es

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