Tegernsee/St. Ingbert – Die Vorbereitungen sind schon in vollem Gange. Am kommenden Donnerstag wird Klaus Morgenstern aus St. Ingbert im Saarland 80 Jahre alt. Eine große Geburtstagsparty hat er allerdings nicht geplant. „Mal schauen, was wir machen“, sagt er. Denn sein Geburtstag kollidiert mit einem wichtigen Termin. Er liegt mitten in der Montgolfiade im Tegernseer Tal, die vom 1. bis 9. Februar stattfindet. Sie wird zum 20. Mal ausgetragen und alle bisherigen 19 Mal war Morgenstern mit dabei. Das Jubiläum will er sich natürlich nicht entgehen lassen. Es ist das erste Mal, dass Morgenstern seinen Geburtstag am Tegernsee feiert. Wichtiger als das Planen einer Feier ist ihm aber das Vorbereiten des Heißluftballons. Dabei ist der Rentner nicht allein. Beinahe die ganze Familie Morgenstern ist mit dabei, und das nicht nur wegen seines Geburtstags.
„Wir fahren mittlerweile in der dritten Generation Heißluftballons“, erzählt er. „Damit sind wir wohl die größte Ballonfahrerfamilie Europas.“ Neben Opa Klaus teilen das Hobby seine drei Söhne Christian, Michael und Thomas Morgenstern sowie seine Tochter Birgit Ratzky und ihr Mann Christoph. Mittlerweile besitzen auch die Enkel Felix und Gina Morgenstern eine Ballonfahrerlizenz. „Wahrscheinlich liegt es im Blut“, sagt Klaus Morgenstern lachend.
Dabei kam er eher zufällig zum Ballonfahren. Morgenstern ist gelernter Braumeister. Zum 100-jährigen Bestehen der Becker-Brauerei in St. Ingbert kaufte sein Chef einen Heißluftballon. Nur konnte den niemand fliegen. Morgenstern nahm das in die Hand, machte eine Ausbildung zum Ballonfahrer und nahm an Lehrgängen teil. Er gründete eine eigene Ballonsportgruppe und gab sein Wissen an andere weiter. Seit 1978 ist er Ballonfahrer und seitdem schon ziemlich rumgekommen. Morgenstern war bei Welt- und Europameisterschaften am Start. Er flog Werbeballons bei der Vierschanzentournee und beim Skispringen in Norwegen und war für die Firmen Jack Wolfskin und Nissan als Pilot unterwegs.
Wie zum Ballonfahren kam er auch zur Montgolfiade an den Tegernsee zufällig. Ein Bekannter hatte ihn damals gefragt. Mittlerweile hat er sich zur Institution der Veranstaltung entwickelt. „Das Panorama am Tegernsee ist schon was Besonderes“, sagt Morgenstern. Die Ballons starten in Bad Wiessee direkt am Tegernsee, der Wind trägt sie dann an der Bergkette entlang Richtung Starnberger See. „Hervorragend“ findet das der Ballonfahrer.
Neben seinem Geburtstag gibt es für ihn noch weitere erste Male beim diesjährigen Ballonfahrerfestival: Erstmals tritt Morgenstern nicht mit einem normalen Heißluftballon, sondern mit einer Sonderbauform an. Ein 2600 Kubikmeter großer Katzenkopf wird nächste Woche am Himmel über dem Tegernsee zu sehen sein. Außerdem steuert der bald 80-Jährige den Ballon nicht selbst. Er ist als Co-Pilot mit dabei. „Im Januar ist meine Lizenz abgelaufen und ich habe sie nicht verlängert“, erzählt Morgenstern. „Im Alter lässt die Kraft nach“, begründet er seine Entscheidung. In über 40 Jahren Ballonfahren hatte er nie einen Unfall. Das soll auch so bleiben. „Als Ballonfahrer braucht man mehr Mut, ,Nein‘ zu sagen als ,Ja‘ zu sagen“, so Morgenstern. Das ist einer der Gründe, warum er nie einen Unfall hatte, glaubt er. Wenn das Wetter nicht passte, blieb er lieber am Boden, auch wenn andere starteten.
Die Wettervorhersage für die Tegernsee-Montgolfiade bereitet ihm dieses Jahr etwas Sorgen. „Die Wetterlage sieht nicht gut aus“, sagt Morgenstern. Kommen werde er aber so oder so an den Tegernsee. Denn für ihn ist die Montgolfiade mehr als Ballonfahren. Es heißt auch, mit anderen zusammenzukommen. Und der persönliche Höhepunkt von Klaus Morgenstern findet ohnehin am Boden statt. Beim traditionellen Ballonglühen wird die Seepromenade in Bad Wiessee am Samstag, 8. Februar, in eine leuchtende Landschaft verwandelt. „Allein dafür lohnt es sich zu kommen“, sagt Morgenstern. Und er muss es schließlich wissen. PHILLIP PLESCH