Wenn Betrüger selbst in die Falle tappen

von Redaktion

Telefontrickbetrüger gehen mittlerweile systematisch vor: Allein vergangene Woche meldeten sich im Bereich Starnberg/Fürstenfeldbruck 55 Menschen, die dubiose Anrufe erhielten. Immer wieder fallen manche auf die Maschen herein; doch in einem Fall wurden die Betrüger von dem vermeintlichen Opfer überlistet.

VON NINA PRAUN

Waldbrunn/Geretsried/Starnberg – Es ist ein gewöhnlicher Donnerstagvormittag im August 2019, als bei Erwin Weyrauther in Waldbrunn (Kreis Würzburg) das Telefon klingelt. „Weißt Du, wer dran ist?“, fragt eine Frau den 78-Jährigen. Er antwortet: „Bist Du es, Maria?“ Ja, die sei sie, und es gebe ein kleines Dilemma: Sie habe eine lukrative Wohnung für 100 000 Euro ersteigert, nun müsse sie aber sofort 50 000 Euro hinterlegen. Könne Erwin nicht netterweise aushelfen?

Das war ein Telefontrickbetrug, wie er im Buche steht, über den die Mainpost nun berichtete – nur, dass das vermeintliche Opfer ein pensionierter Polizeihauptkommissar ist. Er hatte schon lange darauf gehofft, selbst mal von Betrügern angerufen zu werden, und: Er hat einen Plan. Zunächst stellt er sich ahnungslos: Er fragt die Frau aus über die Wohnung, wie viele Quadratmeter sie habe, in welchem Stockwerk sie liege, ob eine Garage dabei sei. Auf all diese Fragen hat die Dame eine Antwort. Die Geschichte ist ziemlich gut. Dann erklärt er, dass er leider „nur“ 20 000 Euro geben könne. Die Frau beharrt auf mehr, er erfindet noch einige Goldmünzen.

Das Spiel geht weiter: Es folgt ein Anruf einer vermeintlichen Anwältin, die versichert, dass Weyrauther das Geld schnell zurückgezahlt bekomme. Schließlich lässt er sich „breitschlagen“: Er kommt zum vereinbarten Treffpunkt und überreicht einer Fremden zwei Umschläge. Darin: Papierschnipsel. Zwei Kripobeamte stehen bereit und nehmen die Betrügerin fest. Mittlerweile wurde die 40-Jährige zu einem Jahr Haft ohne Bewährung verurteilt. Sie hatte vor Gericht erzählt, dass ihr nur 500 Euro für eine „Rezeptübergabe“ versprochen wurden.

Der Verlauf dieser Geschichte ist ungewöhnlich, der Beginn aber mittlerweile gang und gäbe. Überall werden ältere Herrschaften von Trickbetrügern angerufen. Mittlerweile gehen die Banden wohl systematisch vor: Sie suchen Festnetznummern aus Telefonbüchern heraus, die bei „älter“ wirkenden Vornamen stehen, berichtet ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern-Süd. Dann werden ganze Orte telefonisch abgeklappert. In Wolfratshausen wurden in der vergangenen Woche fünf Rentner angerufen; alle legten geistesgegenwärtig wieder auf und informierten die Polizei. Im Bereich Starnberg/Fürstenfeldbruck meldeten sich vergangenen Montag und Dienstag sogar 55 Personen bei der Polizei wegen solcher dubioser Anrufe. Sie alle hatten die Falle rechtzeitig durchschaut. Doch für eine 82 Jahre alte Frau aus Geretsried kam die Erkenntnis leider zu spät: Sie roch erst Lunte, als sie bereits Goldmünzen und Bargeld im Wert von knapp 30 000 Euro übergeben hatte – und sie nicht zurückbekam. Bei ihr gaben sich die Betrüger als Polizisten aus. Sie erzählten, dass Einbrecher die Runde machten und dass die Wertsachen nur bei ihnen sicher seien.

Genau das aber ist ein deutlicher Hinweis auf einen Betrug, betont der Polizeisprecher: „Die Polizei fragt niemals nach Wertsachen oder nach Kontonummern.“ Doch die Verbrecher seien auch sehr findig in der Gesprächsführung: „Sie kommen teilweise mit tollen Storys daher.“ Wichtigster Tipp also: Sofort auflegen, „bei dem geringsten Zweifel schon!“ Sich versichern, dass der Hörer richtig aufgelegt wurde, und dann die 110 wählen. „Dort kann man von dem Anruf erzählen, und nachfragen, ob so etwas möglich ist“, so der Sprecher. Das ist es aber: nie. Denn: „Das würde die Polizei niemals machen.“

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