München – Das Pelzverbot im „Bahnwärter Thiel“ hat eine hitzige Internet-Debatte ausgelöst: Über 2000 Menschen haben schon auf die Nachricht bei Facebook reagiert. „Ich finde es super, dass ihr diesen Schritt gemacht habt“, lobt eine Nutzerin. Es gibt aber auch Kritik: „Offensichtlichen Kunstpelz nicht reinzulassen, Lederschuhträger schon… Also da hört dann die Logik wirklich auf.“ Spontan war die Entscheidung für das Pelzverbot jedenfalls nicht: „Das ist seit der Eröffnung 2015 Thema bei uns“, sagt Daniel Hahn, der Gründer des Kulturzentrums.
„In einer aufgeklärten Gesellschaft bereiten uns Pelzkrägen Unwohlsein“, heißt es auf der Facebook-Seite von „Bahnwärter Thiel“. Dabei gehe es vor allem um den Pelzbesatz an Kapuzen, erklärt Hahn. „Die haben keine Funktion, sind einfach nur ein Accessoire. Und dafür kommen Tiere qualvoll zu Tode.“ Auch Imitate würden dazu führen, Pelz salonfähig zu machen. „Und als Laien können wir nun mal keine Echtpelze von Imitaten unterscheiden.“
„Die Regelung ist ziemlich inkonsequent“, sagt die Münchnerin Maria M. (25). Sie kritisiert, dass man im „Bahnwärter Thiel“ „ein bisschen Kunstfell an der Kapuze“ verbieten würde, aber dann doch Menschen mit Daunenmänteln, Lederschuhen und Billig-Jacken mit reichlich Chemie reinlasse. Und auch Online-Redakteurin Maria Latischew sagt: „So schließt man Menschen aus. Und was kommt dann? Frauen mit Lederhandtaschen? Später dann die mit Tierversuchskosmetik? Aber es ist sicher eine gute Marketing-Kampagne.“
Die Gegenargumente kann Daniel Hahn schon nachvollziehen. „Viele fragen sich: Wo fängt man an, und wo hört man auf? Wir verbieten Pelz, lassen aber Leute mit Billigklamotten rein, die von Kindern hergestellt wurden.“ Das könne man unendlich weiterspinnen – „aber dann könnte man ja nie etwas verändern“.
Eine gute Anregung an die Gesellschaft, findet Judith Brettmeister vom Tierschutzverein. „Dass man Tiere für ein Accessoire leiden lässt, entsetzt mich“, sagt sie. Und: „Das gilt auch für Daunenjacken.“ Dass man bei Pelzverboten anfängt, sei schon ein Schritt in die richtige Richtung. So sehen das auch andere. Judit Ferrer (24) aus Amsterdam trägt selbst Kunstfell an der Kapuze, sagt aber: „So setzt man ein Zeichen. Es gibt viele Clubs mit sinnloseren Dresscodes – ich glaube nicht, dass die Regel jemanden ausschließen soll.“ Und auch die Kundenberaterin Aida Holz (35), ebenfalls mit Kunstfell an der Jacke, lobt die Idee: „Ich verstehe den Gedanken dahinter gut“, sagt sie. „Ich weiß nicht, ob er Einfluss darauf hat, ob Menschen weiter Pelz tragen. Vielleicht lassen manche jetzt nur für einen Abend die Jacke zu Hause.“ Trotzdem rege der „Bahnwärter Thiel“ ein wichtiges Thema an.
Er ist übrigens nicht der erste Münchner Club, in dem Pelz unerwünscht ist. Sandra Forster betreibt die Bar „Charlie“, das „Roecklplatz“, das Restaurant „Kismet“ und den Nachtclub „Blitz“. An all ihren Lokalen klebt seit Jahren der „No Fur“-Aufkleber (deutsch: Kein Pelz). „Wir schmeißen die Leute aber nicht raus“, sagt Forster. „Uns geht es nicht darum, Leute auszugrenzen. Wir wollen die Menschen lieber sensibilisieren.“ Hans-Georg Stocker, Betreiber des Veranstaltungszentrums Backstage, entschied 2016: An der Garderobe werden Pelzjacken nicht mehr angenommen. Und auch damals folgten hitzige Diskussionen. Andere Wirte haben eine ähnliche Haltung – vertrauen aber auf die Entscheidungen ihrer Gäste. Promi-Gastronom Michael Käfer sagt: „Vernünftige Menschen kaufen sich heutzutage sowieso keinen neuen Pelz. Und man sollte respektieren, wenn jemand seinen alten Pelzmantel weiterhin tragen möchte.“ Erste Bilanz nach den Fell-Kontrollen: „Viele fanden das sehr gut“, sagt Hahn. „Einige wollten diskutieren, weil sie kein Echtpelz tragen.“ Aber vielleicht werde Pelz ja bald uninteressant, wenn man beim Ausgehen nicht mehr so viele damit sieht, hofft er. KATHRIN BRAUN