Klimawandel treibt junge Bayern um

von Redaktion

Studie der Hanns-Seidel-Stiftung: Auch Außenpolitik wichtiger als Migration und Soziales

VON CINDY BODEN

München – Landwirte ziehen mit Traktoren in die Städte, Klimaaktivisten blockieren Straßenzüge und Gewerkschafter halten Kundgebungen ab – für ihre politischen Ziele gehen die Bürger auf die Straße. Immer häufiger engagieren sich auch Jüngere unter ihnen.

Angesichts vieler gesellschaftlicher Proteste ist das Ergebnis der „Jugendstudie Bayern 2019“ der statistische Beweis für ein Gefühl, das viele schon hatten: Das politische Interesse steigt. Am Montag veröffentlichte die CSU-nahe Hanns-Seidel-Stiftung ihre Ergebnisse – und verzeichnet ein politisches Interesse so hoch „wie seit Jahrzehnten nicht“. Die Besonderheit: Es zieht sich durch alle Altersgruppen.

Die Jugendstudie ist das Ergebnis einer Umfrage von 2121 Deutschen mit Wohnsitz in Bayern. Die Personen ab 17 Jahre wurden im September und Oktober vergangenen Jahres befragt. Ein besonderer Fokus lag dabei auf den Altersgruppen bis 44 Jahre. Von ihnen wurden mehr Personen ausgewählt, als sie anteilsmäßig in der Bevölkerung vertreten sind. So konnten statistisch sichere Aussagen getroffen werden.

Was ist also das wichtigste politische Thema für die Menschen in Bayern? Der Studie nach treibt der Bereich „Klima, Umwelt und Energie“ Jung und Alt um. Für die 17- bis 24-Jährigen haben diese Themen sogar eine weit überdurchschnittliche Bedeutung: 46 Prozent der jungen Erwachsenen nannten diese Themen an allererster Stelle. Über alle Altersgruppen hinweg waren es 34 Prozent.

Bei der Präsentation der Ergebnisse freute es den neuen Vorsitzenden der Hanns-Seidel-Stiftung, Markus Ferber, der gleichzeitig CSU-Europaabgeordneter ist, dass an zweiter Stelle das Themenfeld „Außenpolitisches und Internationale Krise“ folgt (21 Prozent bei den jüngsten Befragten). „Migration, Flüchtlinge und Zuwanderung“ sehen 18 Prozent als wichtigstes politisches Thema, „Soziales und Soziale Gerechtigkeit“ 17 Prozent. Die Reihenfolge bleibt über alle Altersgruppen gleich. „Das Interessenspektrum ist viel breiter, als es ,Fridays For Future‘ einem vielleicht aufzwingen würde“, sagte Ferber.

Generell überraschte es die Statistiker, dass die Unterschiede zwischen den Generationen nicht so groß ausfallen. Von Region zu Region sind die Abstufungen größer: Themen rund um Migration sind besonders in kleineren Gemeinden unter 5000 Einwohnern relevant, das Klima hingegen scheint in größeren Städten von besonderer Bedeutung. Auffällig ist auch, dass der Bereich „Mobilität, Verkehr und Verkehrswende“ in den kleineren Gemeinden eine doppelt so große Rolle spielt wie in größeren Orten.

Verkehr interessiert jedoch nicht nur auf bundespolitischer Ebene: Die Studie macht auch Angaben zu Themen, die die Menschen in der Kommunalpolitik beschäftigen. Hier ist mit Abstand das Thema „Verkehr und (digitale) Infrastruktur“ am wichtigsten – und wurde von den 17- bis 24-Jährigen besonders betont. Gemeint sind damit Einzelaspekte wie ÖPNV, der Neubau von Verkehrswegen und der Ausbau digitaler Infrastruktur. „Für die Kommunalpolitik ist eine ganz andere Agenda nötig wie für die Bundespolitik“, deutet Ferber die Resultate. Männer und Frauen zeigen bei allen Ergebnissen keine nennenswerten Unterschiede.

Klassische Medien wie Rundfunk und Tageszeitung spielen immer noch eine große Rolle, wenn es um politische Informationsquellen geht. Bei den jüngeren Befragten dominieren online und soziale Medien wie Facebook oder Youtube. Mittlerweile greifen alle Altersgruppen für Informationen auf das Internet zurück. Jüngere nutzen das Gespräch mit der Familie und dem engsten persönlichen Umfeld zur Meinungsbildung, während Ältere häufiger den Kontakt mit Kollegen und Bekannten suchen.

Artikel 1 von 11