München/Freising – Der Feind ist winzig, möglicherweise so klein, dass er sich in die Blutbahn und sogar ins Gehirn schleichen kann: Ultrafeinstaub werden in der Wissenschaft Partikel genannt, die nur 1 bis 100 Nanometer groß sind. Zur Einordnung: 1 Nanometer sind 0,000001 Millimeter.
Das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) will nun mehr Erkenntnisse zur Verbreitung und Gefährlichkeit von Ultrafeinstäuben gewinnen. Umweltminister Thorsten Glauber kündigte bei einer Veranstaltung in Neufahrn (Kreis Freising) an, dass zwei Messgeräte am Flughafen München aufgestellt werden sollen. Drei weitere Pilot-Messgeräte, so erklärte er gegenüber unserer Zeitung, sollen nach wissenschaftlicher Beratung durch das Helmholtz Zentrum in Augsburg, Regensburg und München installiert werden. Der Auftrag sei an das LfU erteilt worden. „Für das Projekt im Landkreis Freising laufen die Vorbereitungen in Abstimmung mit der Region.“ Noch in diesem Jahr, so Glauber, sollen alle Stationen eingerichtet werden. Zwei Millionen Euro gibt es dafür in diesem Jahr.
Noch steht die Wissenschaft am Anfang, wie gefährlich Ultrafeinstaub ist. Doch am Flughafen sind die Startbahn-Gegner schon vor Jahren auf das Thema aufmerksam geworden. Mit zwei mobilen Messgeräten wird gemessen, sagt Reinhard Kendlbacher vom Bürgerverein Freising. Außerdem sind die Kommunen Freising, Hallbergmoos, Neufahrn und Wartenberg mit eigenen Geräten unterwegs. „Zusammen sind wir ein Netzwerk“, sagt Kendlbacher.
Der Flughafen ist besonders im Fokus, weil es die Vermutung gibt, dass bei der Verbrennung von Kerosin viel Feinstaub entsteht und den Partikeln Schadstoffe wie Aromaten oder halogenierte Kohlenwasserstoffe anhaften. „Wir haben schon Werte von bis zu 200 000 Partikel je Kubikzentimeter Luft“, sagt Kendlbacher. Normal sollen Werte um 3500 Partikel sein.
Dass der Freistaat nun feste Messgeräte aufstellen will, „begrüßen wir“, sagt Kendlbacher. „Das ist ein Anfang, endlich.“ Zwei Messgeräte seien nach seiner Ansicht aber zu wenig, „notwendig wären vier bis fünf“.
Das Umweltministerium indes betont, dass zunächst Daten für die Bewertung ultrafeiner Partikel gewonnen werden müssen, „die über die Grundlagenforschung hinausgehen“. Es gebe bisher ja keine Grenzwerte, weder Bund, EU noch die Weltgesundheitsorganisation WHO hätten Vorgaben getroffen. Im Auftrag des Umweltministeriums soll im Frühjahr eine Tagung unter Leitung des Umweltmediziners Prof. Hans Drexler von der Universität Erlangen-Nürnberg stattfinden. DIRK WALTER