Nürnberg – Die katholische Kirche bleibt nach den Worten des Münchner Kardinals Reinhard Marx auf unverheiratete Priester angewiesen. „Es geht nicht um die Abschaffung des Zölibats, da bin ich nicht dabei“, sagte Marx, der Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ist, mit Blick auf aktuelle Debatten gestern in Nürnberg. Ob es andere Zugangswege zum Weiheamt gebe, „werden wir sehen“, fügte er hinzu. Eine „Weiterentwicklung“ und Öffnung für neue Lebensformen werde aber die Bedeutung des zölibatären Priesteramtes nicht schmälern.
Auch künftig müsse es unter den Priestern Männer geben, die brüderlich und väterlich für die Menschen da seien und „nicht Häuser bauen und eine Familie gründen wollen“, sagte Marx zum 100-jährigen Bestehen des Klerusverbands. Er erinnerte an die Gründung des Verbands, der vom damaligen Münchner Kardinal Michael von Faulhaber angeregt worden war. Für Faulhaber sei es 1920 „außerhalb seiner Vorstellungskraft“ gewesen, dass es einmal verheiratete Diakone geben könnte. Priester sollten sich daher auch heute nicht ängstlich an ihre Identität klammern, sondern mutig nach vorn schauen. Dabei erinnerte Marx an das Jesuswort: „Wer sein Leben retten will, wird es verlieren.“
Die frühere deutsche Botschafterin am Heiligen Stuhl, Annette Schavan, rief den Klerus dazu auf, seine Rolle zu klären. Über die bisherige Theologie des Amtes hinaus müsse er sich fragen, was er mit Reformen verbinde und wo er sich als Motor der Entwicklung sehe. Statt die kleine Einheit wertzuschätzen, geschehe in der Kirche das Gegenteil. Technokratische Konzepte seien jedoch zum Scheitern verurteilt. kna