Garmisch-Partenkirchen – Der Sturm rüttelt unerbittlich an dem Holzturm. Es pfeift, es wackelt – und es gibt keinerlei Grund zur Sorge, betont Dirk Petzner. Denn dieser Holzturm hält seit 120 Jahren Wind und Wetter stand. Und er wird auch Orkan „Sabine“ überstehen, da hat der Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes keinen Zweifel.
Hier oben, auf dem Gipfel der Zugspitze, erreichte der Orkan gestern mit 157 km/h seine absoluten Spitzengeschwindigkeiten. Die letzten Menschen sind früh morgens ins Tal gefahren, bevor die Zugspitzbahn den Betrieb einstellte. Nur einer ist geblieben: Dirk Petzner. Eigentlich hätte seine Schicht gestern geendet – als „Sabine“ gerade Bayern erreichte. „Mir war schon klar, dass ich etwas länger hier oben ausharren werde.“ Aus dem freien Tag, den er heute gehabt hätte, wird also nichts. Aber der 51-Jährige ist seit 30 Jahren Meteorologe, seit zehn Jahren hat er Dienst in Deutschlands höchster Wetterwarte. Er weiß, dass man flexibel bleiben muss, wenn man es mit Naturgewalten zu tun hat.
Es gibt wohl kaum jemanden, der den Orkan gestern intensiver erlebt hat als Petzner. Und doch hat er das Gefühl, dass er an einem der sichersten Orte war. „Hier oben gibt es keine Bäume, keine Baukräne, nichts kann umstürzen.“ Außerdem seien die 157 km/h am Morgen nicht einmal in die Nähe eines Rekordwertes gekommen, betont er. „Wir hatten hier oben schon 190 km/h – und nicht mal das ist außergewöhnlich.“
Trotzdem war es ein intensiver Dienst. So menschenseelenallein sind die Meteorologen auf knapp 3000 Metern sehr selten. „Das muss man schon aushalten, so viel Zeit mit sich allein zu verbringen“, sagt Petzner. Früher, Anfang des 20. Jahrhunderts, mussten die Meteorologen ein halbes Jahr dort oben ausharren, berichtet er. Das war zu einer Zeit, als es noch keine Gondeln gab. Dagegen sei sein verlängerter Dienst gar nichts, findet er. Außerdem wurde er morgens mit einem wunderschönen Ausblick belohnt. Denn bevor die graue Wand aufzog, hat ihm der Föhn noch einen sonnigen Morgen beschert.
Einen anstrengenden Arbeitstag hatte Dirk Petzner trotz des Orkans nicht. „Die Werte werden längst automatisch gemessen“, sagt er. Aufs Dach zu steigen wäre viel zu gefährlich gewesen. Er hat den Tag vor allem am Telefon verbracht, erzählt er. Um Interviews zu geben – und zu berichten, dass die alte Wetterwarte einem Sturm mehr in ihrem langen Leben standgehalten hat.