DIRK WALTER
Die Deutsche Bahn geht auf Nummer sicher: Ist ein Sturm im Anmarsch, werden die Züge im nächsten Bahnhof gestoppt, der Zugverkehr bis hin zum völligen Stillstand runtergebremst. So geschehen seit Sonntagabend in Norddeutschland und Teilen Bayerns, am Montagfrüh auch im Großraum München. Nichts geht mehr – in Zeiten der Vollkaskogesellschaft geht man lieber jedem Risiko aus dem Weg. So war es auch im Vorjahr, als der Schnee kam (und die BOB wochenlang nicht fuhr). Jetzt ist es der Wind. Den Stillstand kann man gut finden – oder auch nicht. Er hat einen Vorteil: Es passiert nichts. Keine Fahrgäste müssen aus Zügen evakuiert werden, die wegen umgestürzter Bäume auf freier Strecke liegen bleiben. Dafür kann man Verständnis haben.
Doch es gibt auch Nachteile solcher in Konzernzentralen gefällter Entscheidungen: Mit der Bahn kommen auch Teile des öffentlichen Lebens zum Erliegen. Und hunderttausende Pendler setzen sich ins Auto, wenn sie nicht einen freien Tag anmelden können. Macht es sich die Bahn nicht ein bisschen einfach? Das möchte man mit aller Vorsicht fragen. Schließlich hat die Bahn als Quasi-Monopolist auch eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung. Vielleicht ist auch mehr Phantasie gefragt: S-Bahn-Pendelzüge hätten am Montag eventuell auch auf baumfreien Außenast-Abschnitten mit verminderter Geschwindigkeit fahren können. Die Bahn hätte auch auf Busse ausweichen können, hätte Expressbusse entlang der S-Bahn-Linien Richtung Münchner Hauptbahnhof anbieten können. Man war ja gewarnt: Der Sturm war schon tagelang Dauerthema. Und da die Schulen ausfielen, dürften Busse und Busfahrer verfügbar gewesen sein. Aber nichts geschah. Leider.
Dirk.Walter@ovb.net