München – Orkantief „Sabine“ hat auch am Dienstag im Freistaat noch Bäume umgestürzt und den Verkehr auf Straßen, Schienen und in der Luft behindert. Zudem waren in der Nacht erneut tausende Haushalte ohne Strom. Doch nach den heftigen Stürmen des Vortages normalisierte sich das öffentliche Leben wieder. Die Rettungskräfte verzeichneten deutlich weniger wetterbedingte Einsätze, die Bahn fuhr auf den meisten Strecken wieder weitgehend nach Plan, und am Flughafen München wurden weniger als zehn Prozent der Flüge annulliert.
Zwar wurden auch Menschen verletzt, die meisten jedoch leicht. Schwere Rückenverletzungen erlitt jedoch ein 41 Jahre alter Arbeiter, der in Ostheim (Kreis Rhön-Grabfeld) von einer Windböe erfasst und vom Dach einer Biogasanlage geblasen worden war, wie die Polizei mitteilte.
Am Dienstag blieb es zunächst ebenfalls stürmisch. In der Nacht zum Mittwoch sollten sich die Böen mit Ausnahme der Mittelgebirge und der Alpengipfel jedoch bis auf 60 Kilometer pro Stunde abschwächen. Vereinzelt wurden Schnee-, Regen- oder Graupelschauer sowie Gewitter angekündigt. Der Niederschlag machte auch der Deutschen Bahn (DB) zu schaffen. Weiterhin Stillstand erwartete die Bahn bei der Werdenfelsbahn auf den Streckenästen nach Reutte sowie Mittenwald. Zwischen Kißlegg und Wangen war zunächst ebenfalls noch keine Freigabe absehbar. Bei der Südostbayernbahn gab es zwischen Pocking und Passau noch Einschränkungen. Beim Meridian, der Bayerischen Oberlandbahn und der Bayerischen Regiobahn wurden die meisten Probleme bis gestern Mittag behoben. Die Strecke zwischen Aichach und Schrobenhausen blieb jedoch gesperrt, wie der private Betreiber mitteilte.
Auch einige Straßen blieben am Dienstag wegen umgestürzter Bäume, auf die Straße gewehter Dachziegel oder umgeblasener Anhänger zumindest zeitweise dicht. Immer wieder wurden dabei auch geparkte Autos beschädigt. Geschlossen blieben „wegen der anhaltend schwierigen Witterungsverhältnisse“ auch die Friedhöfe in München – Trauerfeiern und Beerdigungen wurden nach Angaben der Stadt größtenteils abgesagt. Andernorts wurde davor gewarnt, die Wälder schon zu betreten, weil „angezählte“ Bäume immer noch umfallen oder umgestürzte Bäume bersten könnten.
Um die Schüler keiner Gefahr auszusetzen, fiel der Unterricht am Dienstag in den Landkreisen Dingolfing-Landau, Freyung-Grafenau, Passau (Stadt und Land) sowie Rottal-Inn erneut aus. Im Landkreis München war eine Schule in Höhenkirchen wegen eines Sturmschadens am Dach zu.
Weitgehend normalisiert hat sich derweil der Luftverkehr in Bayern. In München wurden am Dienstag noch 94 Flüge abgesagt. In Nürnberg gab es zwei Annullierungen, nach 26 am Vortag. An beiden Flughäfen zusammen fielen an den beiden Sturmtagen mehr als 1000 Flüge aus. Auch die Rettungshubschrauber des ADAC mussten an 26 der 37 deutschen Luftrettungsstationen zeitweise am Boden bleiben.
Mit Sorge verfolgen die Waldbesitzer die Folgen von Orkantief „Sabine“. Bislang lassen sich die Schäden noch kaum überblicken, zu gefährlich ist der Gang in den Wald im Moment noch, wie es etwa bei den bayerischen Staatsforsten heißt. Vereinzelt konnten sich die Förster aber schon einen ersten Überblick verschaffen. „Viele Forstwege sind durch umgeknickte Bäumer versperrt“, sagt etwa Gerit Hinner, Förster im Revier zwischen Planegg und Pullach im Landkreis München. Bei ihm seien etwa 1000 Festmeter Sturmholz angefallen – vor allem Fichten und Eschen, aber auch Buchen und Kiefern. „Es hätte uns schlimmer erwischen können“, sagt auch der Vorsitzende der Erdinger Waldbesitzervereinigung, Rainer Mehringer. Die Schäden seien auf den ersten Blick nicht so schlimm, wie etwa nach den Stürmen Kyrill oder Niklas.
Von den Sturmfolgen betroffen sind auch die 20 „Füchse“ des Waldkindergartens in Moosburg (Kreis Freising). Ein Bauwagen, der ihnen bei schlechtem Wetter Zuflucht bot, wurde von zwei großen Bäumen begraben, die der Wucht des Orkans nicht standhielten. Nun soll schnell Ersatz beschafft werden, man sei bereits in Kontakt mit der Versicherung. lby/hob/ham/icb