Krupp und die Bahn prägten Freimann

von Redaktion

Die „Halle 24“ war Teil eines riesigen Areals

Wenn man vom alten Bahnausbesserungswerk spricht, handelt es sich regelmäßig um eine Ungenauigkeit. Denn gemeint ist meist die Halle, in der gerade die „Motorworld“ entsteht – und die heißt eigentlich „Dampflokrichthalle“. Die Halle trug die Nummer 24, was schon darauf hinweist, dass sie nur ein Teil eines gewaltigen Komplexes war.

Die Geschichte des Münchner Stadtteils Freimann ist geprägt von der Firma Krupp und später der Bahn. 1916, im Ersten Weltkrieg, erwarb Krupp ein gewaltiges Areal in Freimann, um einen Rüstungsbetrieb zu errichten. Man brauchte Betriebsgelände und Arbeiterwohnungen. Krupp kaufte unter anderem Höfe von Kriegswitwen auf. Auch die verwitwete Gutsbesitzerin Luise Mohr verkaufte fast die Hälfte ihrer Wiesen und Felder – 90 Hektar. „Auf die Firma Krupp geht alles zurück“, sagt Brigitte Fingerle-Trischler, Stadtteilhistorikerin im städtischen Kulturzentrum Mohr-Villa in Freimann.

Die Ära Krupp währte nicht lange. 1919 kaufte der Oberfranke Fritz Neumeyer das Areal. Auch er hatte im Krieg Rüstungsgüter produziert, in Freimann stellte er Turbinen für die aufkommende Wasserkraft her und führte auch Reparaturen für die Deutsche Reichsbahn durch. „Es lag also für die Bahn nahe, das Gelände zu übernehmen“, sagt Fingerle-Trischler. 1925 war es so weit. Die Bahn kaufte das Werk samt Grundbesitz und Wohnimmobilien. Auch der heutige Euro-Industriepark gehörte dazu sowie die Liegenschaften der heutigen „Baugenossenschaft Reichsbahnwerk Freimann“. Und der Gutshof der Familie Mohr – die Mohr-Villa, die inzwischen der Stadt München gehört.

Damals gab es die „Dampflokrichthalle“ noch nicht. Repariert wurde zum Beispiel in der Zenithhalle, wo heute Konzerte stattfinden. Das sogenannte Reichsbahnausbesserungswerk erlebte in den 1930er-Jahren eine Blüte, denn die Eisenbahn war das wichtigste Verkehrsmittel. Und man arbeitete modern und effizient. „Das war ein Vorzeigebetrieb“, erklärt Brigitte Fingerle-Trischler.

Ab 1933 geriet das Bahnwerk unter den Einfluss der Nationalsozialisten. „Rote“ Arbeiter flogen raus, Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und KZ-Insassen wurden im Krieg als Arbeiter eingesetzt. Das Bahnnetz war für Hitler von zentraler Bedeutung. Von 1938 bis 1942 entstand deshalb die Halle 24, die gerade zur „Motorworld“ wird. Dort wurden Lokomotiven und Güterwagen instand gesetzt.

1953 nahte das Ende, als in Freimann die letzte Lok repariert wurde. „Große Hallen wurden nicht mehr so gebraucht“, sagt Fingerle-Trischler. Die Bahn zog sich langsam zurück, Teile des Areals wurden vermietet oder ersetzt. So entstand ab 1991 an der Lilienthalallee das MOC-Veranstaltungscenter. Teile des Areals kamen unter Denkmalschutz, darunter die Halle 24 und das Zenith. Als die Bahn 1995 das Werk final schloss, stand die Halle 24 viele Jahre leer.

Nun also entsteht eine Motorworld in der linken Hälfte der alten Lokhalle. In der anderen Hälfte hat bereits ein Bauhaus-Baumarkt eröffnet. Von den übrigen alten Gebäuden stehen die meisten nicht mehr. Der ESV München-Freimann hat einen Teil der „Halle 1“ gekauft und saniert. Der Rest der Halle wurde abgerissen, das Areal von BMW neu bebaut.  wha

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