München – „Kann nicht ein Mann die Sachbearbeitung machen? Haben Sie das denn überhaupt gelernt?“ Solche Sprüche musste sich Polizeihauptkommissarin Birgit Manghofer zu Beginn ihrer Karriere öfters anhören. „Aber da muss man mit Routine darüber stehen“, sagt sie. „Das darf einen nicht abschrecken.“ Die 48-Jährige ist eine Pionierin. Vor 30 Jahren, am 1. März 1990, war sie eine von 158 Frauen, die der Freistaat Bayern erstmals für den uniformierten Polizeidienst eingestellt hat. Zwar gab es schon seit den 50er-Jahren die weibliche Kriminalpolizistinnen – der Schutzdienst in Uniform war bis dahin aber Männern vorbehalten.
Anlässlich des Jubiläums fand im Landtag ein Frauentag mit einer Diskussionsrunde mit Politikern, Vertretern aus den Ministerien, der Polizeigewerkschaft und Polizistinnen statt. Einige von ihnen sind erst im Laufe der Jahre zur Polizei gekommen, andere sind wie Manghofer seit dem ersten Tag dabei.
Dass sie einmal zur Polizei gehen möchte, wusste die 48-Jährige schon als kleines Mädchen: „Es war ein Traum aus Kinderzeiten“, sagt sie. Umso glücklicher war sie, als sie vor 30 Jahren tatsächlich die Ausbildung in Königsbrunn (Kreis Augsburg) starten konnte. Einen Frauenbonus gab es nicht. „Aber ich habe es nie bereut“, sagt Manghofer. Ihre erste Uniform hat sie zum Teil aufbewahrt. „Für Frauen gab es damals noch keine Uniformhosen in langen Größen“, erzählt sie. Wer lange Beine hatte, der griff auf Männerhosen zurück. „Und wir hatten einen Dienstrock mit großer Gehfalte.“ Besonders beliebt war dieser Rock nicht. „Ich habe ihn nur einmal getragen“, sagt die 48-Jährige.
Manghofer hat gelernt, sich durchzusetzen. Nach der Ausbildung durchlief sie verschiedene Stationen bei der Polizei – und immer wieder war sie eine Vorreiterin. Oft stieß sie auf Skepsis – bei der Bevölkerung, aber auch bei einigen männlichen Kollegen. „Manche haben sich darauf eingelassen, dass jetzt auch Frauen dabei sind“, sagt sie. „Aber einige hatten schon daran zu knabbern.“ Ihre Strategie: „Man muss durch Leistung überzeugen.“
Nach einem Studium war sie zehn Jahre lang Dienstgruppenleiterin in Trostberg (Kreis Traunstein). Seit drei Jahren ist sie als Personalrätin freigestellt, bei der Deutschen Polizeigewerkschaft ist sie Landesbeauftragte der Frauen- und Familienvertretung.
Doch in der Diskussion wurde auch deutlich, dass es für Frauen nicht immer leicht ist, in Führungspositionen zu gelangen. Für Teilzeitbeschäftigte sei der Aufstieg schwieriger, berichteten mehrere Polizistinnen. „Bei besonderen Funktionen wie zum Beispiel als Diensthundeführer ist Teilzeit ausgeschlossen“, erklärte Manghofer, die auch auf dem Podium saß. Zudem beklagten einige Beamtinnen Nachteile einer Arbeitszeitreduzierung in Bezug auf vorzeitige Pensionsansprüche. Ein weiterer Wunsch war eine größere Flexibilität beim Einsatz von mobilen Reserven, wenn beispielsweise eine Polizistin wegen Schwangerschaft ausfällt. Auch das Thema Vorbehalte gegen Frauen kam zur Sprache. Dabei meldete sich Michaela Meisetschläger, Dienstgruppenleiterin der Verkehrspolizeiinspektion Passau, zu Wort. In ihren Zuständigkeitsbereich fallen Kontrollen auf der A 3. Hier mussten sie und ihre Kolleginnen schon negative Erfahrungen machen, berichtete sie: „Es sind Einzelfälle, aber Verachtung kommt vor“, sagt sie. „Manche Männer schauen uns nicht an, spucken vor uns hin und akzeptieren uns nicht.“
Doch trotz derartiger Probleme waren sich die Polizistinnen einig: „Die Frau ist angekommen bei der Polizei“, sagt Birgit Manghofer. „Ich sehe den Polizeiberuf nicht mehr als typischen Männerberuf.“