„Sabine“ – ein Vier-Jahres-Orkan

von Redaktion

Diesmal saß die Prognose: Wie vom Deutschen Wetterdienst prophezeit fegte Orkantief „Sabine“ in den vergangenen zwei Tagen über Deutschland hinweg. Ein Experte erklärt, warum ein Wintersturm leichter vorherzusagen ist als ein Sommergewitter.

VON DOMINIK GÖTTLER

München/Offenbach – Die ersten Sturmböen mit Windstärke 10 erreichten Deutschland an der Nordseeküste. Bereits Sonntagmittag pfiff dort der Wind mit rund 90 Kilometern pro Stunde, ehe sich „Sabine“ peu à peu bis nach Bayern vortastete. In Fürstenzell in Niederbayern wurde am Montagvormittag eine extreme Orkanböe mit Tempo 154 registriert, am Feldberg im Schwarzwald wurden sogar 177 Stundenkilometer gemessen. In der Nacht zum Dienstag lag das Maximum im Landkreis Mühldorf am Inn bei 132 Stundenkilometern. Die zweite Luft, sozusagen.

Damit hat der Wintersturm ziemlich genau die Ausmaße angenommen, vor denen der Deutsche Wetterdienst wenige Tage zuvor gewarnt hatte. „Unser Warnsystem hat diesmal wirklich gut funktioniert“, sagt Andreas Friedrich aus der DWD-Zentrale in Offenbach. „Die Modelle werden immer besser. Es gibt verschiedene Algorithmen, aus denen wir ein Best-of berechnen.“ War früher noch auf Landkreisebene Schluss, kann der Wetterdienst heute häufig bis auf Gemeindeebene voraussagen, wo und wann der Wind besonders heftig bläst.

Dass diesmal verhältnismäßig wenig passiert ist, schreibt Friedrich auch der intensiven Vorarbeit seiner Behörde zu. „Es ist alles eingetreten, was wir vorhergesagt haben.“ Der eingestellte Bahnverkehr oder geschlossene Schulen seien eine Reaktion darauf. „Ich denke, das lief sehr gut. Auch wenn das ein oder andere Medium mal überzeichnet und gleich vom Monsterorkan berichtet.“

Ein Jahrhundertereignis war Orkantief „Sabine“ tatsächlich nicht. „So einen Wintersturm werden wir im Schnitt alle drei bis vier Jahre erleben“, sagt Friedrich. Das Besondere an „Sabine“ sei aber die große Ausdehnung auf ganz Deutschland und die lange Dauer von rund 48 Stunden gewesen. „Das eint sie mit Orkan Kyrill, der 2007 zur selben Jahreszeit über Deutschland zog.“ Bei den Windgeschwindigkeiten blieb „Sabine“ aber deutlich hinter Kyrill zurück, weshalb Friedrich hofft, dass die Schäden etwa im Wald nicht so massiv sind wie damals.

Während sich großflächige Winterstürme also mittlerweile ziemlich punktgenau vorhersagen lassen, wird es bei kleinräumigen Sommergewittern schon deutlich schwieriger. „Da ist die Atmosphäre immer noch ein bisschen chaotisch“, sagt Friedrich. „Das bekommen wir oft nur sehr kurzfristig hin. Und manchmal rutscht uns auch ein Gewitter durch die Masche, wie wir sagen.“

Nun erwartet die Bayern jedenfalls ein paar Tage Ruhe, bevor sich am Wochenende wieder ein Tief entwickeln könnte. „Mit Blick auf den Sonntag könnte es noch mal windig werden“, sagt Friedrich. Aber Sicherheit gibt es wieder erst wenige Tage vorher. „Heute sind die Modelle noch nicht genau genug.“

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