München – Die Prognose ist beängstigend: Es gibt in Bayern immer mehr Tropennächte, bei denen es auch nachts nicht kälter als 20 Grad wird, die Hitze sorgt für Tote und beeinflusst die Grundwasserversorgung. „Wenn wir so weiter machen wie bisher, gibt es eine Erwärmung von fünf Grad und in Unterfranken sogar von 5,5 Grad“, prophezeite Heiko Paeth, Leiter der Professur für Geographie an der Universität Würzburg, bei einer Expertenanhörung des Umweltausschusses im Bayerischen Landtag zum Thema Klimaschutz. Unterfranken ist generell regenarm, Städte wie Würzburg sind besonders betroffen. „In zwei bis drei Generationen gibt es dort Tage, an denen die Tiefsttemperaturen 30 Grad nicht unterschreiten werden“, sagte er.
Zur Anhörung waren neun Experten gekommen. Dass sich das Klima verändert, darin waren sich alle einig. Lediglich der Geologe Sebastian Lüning, der als Skeptiker bekannt ist, widersprach in vielen Bereichen den anderen Wissenschaftlern. Er argumentierte unter anderem, dass unklar sei, wie viel des Klimawandels menschengemacht sei und dass es Mängel bei Klimasimulationen gebe. Damit stieß er auf heftigen Widerstand: „Die Argumente sind uralt“, sagte Paeth. „Sie sind aus der Zeit gefallen.“
Viele Experten brachten Empfehlungen für die Politik vor: „Setzen Sie die Energiewende um“, forderte Petra Hutner, Leiterin der Landesgeschäftsstelle Bayern des Bundesverbands WindEnergie. „Sie müssen Genehmigungshindernisse abbauen.“
Auch Michael Sterner, Leiter der Forschungsstelle Energienetze und Energiespeicher an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg, betonte, wie wichtig der Ausbau erneuerbarer Energien sei: „Bei der Stromversorgung gibt es nirgendwo so günstige Potenziale wie bei der Wind- und Sonnenenergie“, erklärte er. Bei Bauleitplanungen könnte man verpflichtende Photovoltaikanlagen vorschreiben, schlug er vor. Wichtig sei auch, die 10-H-Regelung abzuschaffen, die den Bau von Windrädern einschränkt. „Es wäre zwar möglich, mit der 10-H-Regel die Energiewende zu vollziehen“, sagte er. „Aber volkswirtschaftlich wäre das nicht sinnvoll.“ Seiner Meinung nach müssten zwei Grundsätze gelten: „Klimaschutz vor Artenschutz und Klimaschutz vor Denkmalschutz“, erklärt er. Nur 0,03 Prozent aller gefallenen Vögel würden von Windrädern getötet. „Und sollen wir wirklich die Zukunft unserer Kinder von einem subjektiven Schönheitsgefühl abhängig machen?“, fragte er. Um die Stromversorgung bei jeder Witterung sicherzustellen, könne man zum Beispiel auf Gasspeicher zurückgreifen.
Bei der Anhörung nahm mit Stefan Köhler auch ein Vertreter des Bayerischen Bauernverbandes Stellung. Landwirte seien bereit, ihren Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, betonte er. Maßnahmen müssten aber auf Freiwilligkeit beruhen und angemessen honoriert werden, damit sie auch für kleinere Betriebe finanzierbar seien. Und: „Bauernfamilien brauchen eine garantierte Planungssicherheit für langjährige Klimaprojekte.“