Hitziger Streit um Kiesabbau im Wald

von Redaktion

Naturschützer wehren sich gegen geplanten Kiesabbau im Forst Kasten südlich von München. Der Fall ist kompliziert: Mit den Einnahmen soll der Betrieb eines Seniorenheims sichergestellt werden.

VON DIRK WALTER

München/Planegg – Der Hambacher Forst ist als Symbol des Kampfes gegen den Klimawandel weithin bekannt – und ein Stückchen davon steht seit vergangenem Sommer auch in einem Wald südlich von Planegg im Landkreis München. Naturschützer haben damals eine Buche umgepflanzt. Ein Meter groß nur, aber gleichwohl ein mächtiges Symbol. „Klar, sie ist ein bisschen mickrig, aber sie steht noch“, sagt Astrid Pfeiffer. Sie ist Sprecherin der Initiative „Rettet den Würmtaler Wald“ und Bürgermeisterkandidatin in Planegg – und sorgt sich nun, dass eine „riesige Schneise“ in „wertvollen Mischwald“ geschlagen werden soll. „Wer den Wald zerstört, zerstört das Klima!“ So stand es auf Transparenten von Würmtalern, die am Donnerstagabend auf dem Münchner Marienplatz demonstriert haben – gegen den Kiesabbau unweit des Forsthauses Kasten, dem beliebten Ausflugslokal im Würmtaler Wald.

Der Wald gehört – was wenige wissen – der Heiliggeistspital-Stiftung. Sie nennt 840 Hektar Wald ihr Eigen und muss mit den Erträgen aus der Bewirtschaftung ein Altenheim betreiben. 200 Plätze, Pflege nach modernsten Standards, so wirbt die Stiftung für ihr Haus in München-Neuhausen. Allein mit Holzverkauf ist der Betrieb nicht zu sichern – also betreibt das Sozialreferat der Stadt München im Auftrag der Stiftung die Ausweitung des Kiesabbaus. Zunächst um 9,5 Hektar – die würden aber nur für vier Jahre reichen. Insgesamt sollen einmal über 40 Hektar – mehr als 50 Fußballfelder – ausgebeutet werden.

Hier kommt die Firma Bernhard Glück Kies-Sand-Hartsteinsplitt GmbH ins Spiel. Das Kiesabbau-Unternehmen baut derzeit schon ab, verfrachtet den Rohstoff mit einem Förderband zum Kieswerk nach Gräfelfing. Das würde man gerne auch weiterhin so tun. Klar, sagt Geschäftsführer Markus Wahl, der Kiesabbau sei „ein Eingriff“. Aber anschließend würden die Flächen ja renaturiert – und ökologisch aufgewertet. Der Zustand des heutigen Waldgebiets ist aber ohnehin Ansichtssache: Wo Markus Wahl vor allem wertlose Fichten-Monokultur sieht, erkennt Widerständlerin Astrid Pfeiffer wertvollen Mischwald. Doch der Streit um Ökologie und Klima ist ohnehin nur eine Facette dieses Konfliktes. Der andere – womöglich entscheidende – Kampf wird vor Gericht ausgetragen. Denn die Firma Glück streitet auch mit der Stadt München.

Im Jahr 2017 schrieb die Stiftung, gelenkt vom Sozialreferat der Stadt, den Kiesabbau überraschend aus, obwohl es eigentlich mit der Firma Glück einen Vorvertrag über die künftige Kiesausbeutung gab. Die Firma schied dabei schon im Vorauswahlverfahren aus. „Angeblich haben unsere Nachweise nicht gepasst“, sagt Geschäftsführer Wahl. So verlangte die Stiftung einen fest angestellten Umweltingenieur und einen Geologen, die das Unternehmen nicht hat. Glück klagt nun auf Erfüllung des Vorvertrags – das Verfahren beim Landgericht läuft.

Im Dezember 2019 eine neue Entwicklung: Auf Antrag der CSU im Münchner Stadtrat und mit Zustimmung der SPD wurde die Ausschreibung gestoppt. Sie wird nun von der Regierung von Oberbayern überprüft. Sollte diese die Ausschreibung kippen, würde das der Firma Glück in die Karten spielen. Naturschützer mutmaßen über eine enge Verbindung zwischen der CSU und der Firma Glück. Sind am Ende sogar Wahlkampfspenden geflossen? Markus Wahl machen solche „weit hergeholten“ Vorwürfe „sprachlos“.

Die Grünen im Stadtrat fordern nun per Antrag, dass die Stadt Ackerflächen kauft, und diese der Stiftung zum Tausch für die Waldgebiete anbietet. Sozialreferentin Dorothee Schiwy hat diese Idee jedoch schon in einem Schreiben an Naturschützerin Pfeiffer verworfen.

Geschäftsführer Wahl hofft, dass sich seine Firma letztendlich mit dem Sozialreferat gütlich einigen kann. In einem Brief an alle Stadträte bot er im Januar einen „höchst wirtschaftlichen Vorschlag“ an, der „attraktiver“ sei „als jedes Drittangebot“.

Wie auch immer der Streit (wohl erst nach der Kommunalwahl) entschieden wird: Die Buche vom Hambacher Forst könnte als Symbol bleiben. Sie steht 500 Meter außerhalb des potenziellen Abbaugebietes.

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