München/Bechtsrieth – Der erbitterte Streit um die großen Stromtrassen durch Franken und Ostbayern wird kurz vor der Kommunalwahl schärfer. Vize-Ministerpräsident Hubert Aiwanger (Freie Wähler) stellt sich mit klaren Worten gegen jede große Leitung. „Ich will keine dieser Trassen.“ Die Haltung der Staatsregierung aus CSU und FW ist jedoch anders. Zudem wird sich Aiwanger wohl inhaltlich nicht durchsetzen.
In Kürze wird vom Bund eine klare Absage an den Plan erwartet, die Stromtrassen mit großen Autobahnen wie der A 93 zu bündeln. „Eindeutig – das funktioniert technisch nicht“, heißt es in der Staatsregierung. Sogar Aiwanger selbst sieht das nach einem Ortstermin in Franken und in der Oberpfalz ein. Das Fundament der Autobahnen sei zu breit, wer daneben große Kabel verlege, durchschneide Gewerbeflächen, Wasserschutzgebiete und Lärmschutzwände. Es läuft also auf einen Trassenverlauf über freie Flächen hinaus. „Damit haben wir jetzt die Wahl zwischen Erhängen und Erschießen“, sagt er.
Der Wirtschaftsminister will die Verbindungen Südlink und Südostlink dennoch nicht akzeptieren. Aiwanger verlangt, die Stromtrassen noch mal durchzurechnen; er nennt Kosten von 15 Milliarden Euro allein in Bayern. Er hofft, durch eine dezentrale Stromversorgung mit kleineren Kraftwerken (Biomasse, Wasserkraft, Gas) müsse der Windstrom nicht in den erwarteten Mengen aus Norddeutschland nach Bayern transportiert werden.
Der CSU-Teil der Staatsregierung hält das für populistischen Unfug; auch die Wirtschaft verlangt eine stabile Stromversorgung, wenn das letzte Kernkraftwerk Ende 2022 vom Netz geht. Gegen Aiwanger wird in der CSU der Vorwurf geäußert, er mache sich mit seinem Trassen-Protest vor Ort wider besseres Wissen beliebt.
CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER