München/Augsburg – Sie planten Terroranschläge auf sechs Moscheen in deutschen Kleinstädten, wollten Flüchtlinge und Politiker angreifen, um in Deutschland „bürgerkriegsähnliche Zustände“ zu erzeugen – so ermittelte es die Bundesanwaltschaft: Am Freitag ließ sie die Wohnungen von 13 Mitgliedern der Rechtsterrorgruppe „Der harte Kern“ in ganz Deutschland durchsuchen und zwölf verhaften.
Kopf der Gruppe soll den Ermittlern zufolge der 53-jährige Restaurator Werner S. aus Mickhausen bei Augsburg sein, der wohl aus München stammt. Auch der Münchner Installateur Frank H. spielte offenbar eine wichtige Rolle in dem Terrorkomplott. H. bezeichnet sich auf Facebook als „Vice leader“ (stellvertretender Führer) und „Sergeant at Arms“ (Unteroffizier) von „Wodans Erben Germanien – Bayern“. Die Gruppe versteht sich als eine Art Bürgerwehr, lief in Donauwörth, Regensburg und Würzburg „Streife“. In München „patrouillierte“ die Gruppe an Flüchtlingsunterkünften. Sie drangen in geschlossener Formation in eine Asylbewerberunterkunft in München-Moosach ein. Mitglieder der Gruppe nahmen an einem Fackelmarsch am ehemaligen NS-Reichsparteitagsgelände in Nürnberg mit überregionalen Aktivisten der NPD teil. In einem Internet-Video feierten sie sich dafür, dass sie sich am Münchner Königsplatz trafen – am „Balkon wo Adolf Hitler stand, um seine Parade abzunehmen. An dem Tag wo Er Reichskanzler wurde“.
Im März 2019 wurden sie von der Polizei nach einem Treffen an der Bogenhauser Odinstatue aus der Straßenbahn geholt und bekamen eine Anzeige wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz. Im Oktober gingen die Rechtsextremisten in einer Tram auf einen Fotografen los. Im November versuchten sie, während eines linken Kongresses vor dem DGB-Haus zu provozieren.
Laut SZ tummeln sich auch Funktionäre von NPD und Pegida unter „Wodans Erben“, von denen offenbar Helfer für den „Harten Kern“ rekrutiert wurden. Bei ihrem Anführer Werner S. fand die Polizei eine schussbereite russische Tokarev-9-Millimeter-Pistole. Bei dem Komplizen Thomas N. in Minden eine Armbrust sowie Äxte, Morgensterne und Messer, bei Steffen B. ein selbst gebautes Gewehr, wie es der Synagogen-Attentäter von Halle benutzte. Als rechte Hand von S. soll laut „Spiegel“ der Neonazi Tony E. aus dem Kreis Uelzen (Niedersachsen) fungiert haben. Er posierte mit S. auf einem Gruppenfoto des „Freikorps Heimatschutz“, das sich selbst so sieht: „Die Mitglieder dieser Gruppe bereiten sich auf den Tag vor, an dem es zu einem Krieg kommt und es um die Verteidigung unserer Familien und dem Vaterland geht.“