„Mikado im Wald“ nach Orkan „Sabine“

von Redaktion

Nach Orkantief „Sabine“ laufen in Bayerns Wäldern die Aufräumarbeiten. Insgesamt kamen die Waldbesitzer glimpflich davon, doch einzelne Regionen hat es härter getroffen. Die trockenen Böden haben viele Fichten gerettet. Aber jetzt beginnt ein Wettlauf mit der Zeit.

VON DOMINIK GÖTTLER

München – Gut eine Woche, nachdem Orkantief „Sabine“ über Bayern gefegt ist, wird in den Wäldern nach und nach das Ausmaß der Schäden sichtbar. „Bei uns im Landkreis hat der Sturm eine etwa 500 Meter breite Schneise mit gut 1500 Festmeter Holz geschlagen“, sagt Josef Denk, Vorsitzender der Waldbesitzervereinigung Freising. „In diesem Bereich hat Sabine die Bäume massiv geschmissen und gebrochen, vom Ahorn über die Buche bis zu Tanne und Fichte. Da ist Mikado im Wald“, sagt Denk über das Waldstück von Kirchdorf an der Amper bis Mauern. Für die betroffenen Waldbesitzer sei das natürlich extrem bitter.

Insgesamt sind die Schäden in den bayerischen Wäldern nach dem Sturm in der vergangenen Woche glimpflicher ausgefallen als befürchtet. Zwar seien überall Bäume geworfen worden, teilt das Landwirtschafts- und Forstministerium auf Anfrage mit, in der Fläche seien die Wälder aber „mit einem blauen Auge davongekommen“.

So sieht das auch Kirsten Joas, Försterin im westlichen Landkreis Ebersberg. Insgesamt seien die Schäden nicht tragisch, Sturm „Sabine“ habe in ihrem Zuständigkeitsbereich vor allem faule und angeschlagene Bäume erwischt. „Wir hatten Windböen mit ungefähr 110 Kilometern pro Stunde. In diesem Bereich ist das vor allem für die Fichte gefährlich“, sagt Joas. Doch auch die Fichten könnten gut schwingen und so dem Wind widerstehen. „Da war es hilfreich, dass der Boden sehr trocken ist, so hatten die Bäume mehr Halt, als wenn der Untergrund sehr feucht gewesen wäre“, erklärt die Försterin. Auch die Region um Wolfratshausen ist glimpflich davongekommen, wie der Vorsitzende der örtlichen Waldbesitzervereinigung, Johann Killer, sagt.

Doch in einigen Regionen wie im südlichen Allgäu, im südöstlichen Niederbayern oder eben der Schneise im Landkreis Freising sind die Schäden punktuell durchaus massiv. Dort laufen nun die Aufräumarbeiten auf Hochtouren. „Wir haben drei Harvester organisiert, unsere Waldarbeiter sind sieben Tage die Woche am Werk“, sagt Josef Denk. „Überall hört man die Motorsägen. Wir hoffen, dass wir unfallfrei durchkommen.“ Das Schadholz muss schnell aus dem Wald, denn mit den derzeit so milden Temperaturen wartet auf die Waldbesitzer schon das nächste Übel: der Borkenkäfer. „Wenn es dauerhaft über 15 Grad warm ist, dann kommt der Käfer in Bewegung“, erklärt Denk. Und der sucht sich zuallererst das im Wald liegende Schadholz.

Auch im Landkreis Passau – und dort vor allem im Neuburger Wald – sind die Schäden größer als anderswo. „Nun müssen wir das Holz suchen, bevor die Käfer es finden“, sagt Forstbetriebsleiterin Gudula Lermer. „Hilfstruppen aus anderen Forstbetrieben sind bereits unterwegs.“ Betroffen seien vor allem Gebiete, die von Sturm Kolle aus dem Sommer 2017 und vom Käferbefall bereits vorgeschädigt waren.

Der Passauer Landrat Franz Meyer (CSU) hat bereits das Forstministerium in München um Unterstützung für betroffene Waldbesitzer gebeten. Und die wird es auch geben, wie eine Ministeriumssprecherin mitteilt. Mit der erst in dieser Woche in Kraft getretenen Förderrichtlinie (wir berichteten) seien deutlich höhere Fördersätze für die Wiederbewaldung von Schadflächen durch den Sturm Sabine möglich. Anlaufstelle für Betroffene seien die jeweiligen Forstämter.

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