München – Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) und Landespolizeipräsident Wilhelm Schmidbauer hatten am Donnerstag bei der Vorstellung der Verkehrsunfallstatistik gute und schlechte Nachrichten zu verkünden. Die schlechte Nachricht: Mit 416 611 Verkehrsunfällen hat es 2019 öfter gekracht als 2018 (410 252 Unfälle). Im Vergleich zu 2011 beträgt die Steigerung sogar 18,5 Prozent.
Die gute Nachricht: „2019 gab es den niedrigsten Stand bei der Zahl der Verkehrstoten seit Beginn der Unfallaufzeichnung vor mehr als 60 Jahren“, berichtete Herrmann. 541 Menschen verloren ihr Leben, darunter auch 13 Kinder bis 13 Jahren und zehn Jugendliche von 14 bis 17 Jahren. Im Vorjahr waren es 618 und 1970 sogar 3897 tödlich Verunglückte. „Die Gesamttendenz geht eindeutig nach unten, obwohl die Einwohnerzahl und der Kfz-Bestand zunehmen“, sagte Herrmann. Aber: Viele tödliche Unfälle wären vermeidbar. „Nahezu jeder fünfte tödlich Verunglückte war nicht angeschnallt“, so der Innenminister. Auch drei Kinder kamen ums Leben, weil sie nicht richtig gesichert waren.
Die meisten tödlichen Unfälle passierten wie im Vorjahr auch 2019 auf Landstraßen (322 Tote). Bei Unfällen innerorts gab es 133 und bei Unfällen auf Autobahnen 86 Tote, darunter vier Falschfahrer. Bei 39 Autobahnunfällen war zu hohe Geschwindigkeit die Ursache. Die Landtags-SPD forderte deshalb ein Tempolimit. „Die Vernunft sagt es uns schon lange und jetzt zeigt uns auch die neu vorliegende Statistik, dass es an der Zeit ist, Tempo 130 einzuführen“, erklärte die verkehrspolitische Sprecherin Inge Aures. Ein besonders tragischer Unfall passierte zum Beispiel im September: Ein 23-Jähriger starb, nachdem er auf der A 95 zwischen der Anschlussstelle München-Fürstenried und dem Autobahndreieck Starnberg bei hoher Geschwindigkeit die Kontrolle über seinen Sportwagen verloren hatte.
Insgesamt wurden 27 Prozent aller tödlichen Unfälle durch überhöhte Geschwindigkeit verursacht. Auch hier gab es 2019 einen leichten Rückgang. Dennoch: „Zu schnelles Fahren ist der Killer Nummer Eins auf unseren Straßen“, warnte Herrmann. Kontrollen und Aktionen wie der Blitzmarathon, der heuer am 22. April stattfindet, sollen dem entgegenwirken. Bei Alkoholunfällen starben vergangenes Jahr 40 Menschen.
Junge Erwachsene bis zu 24 Jahren verursachten 82 tödliche Unfälle, Senioren über 65 Jahren 153. „Ein Grund ist, dass die Gesellschaft altert“, erklärte Schmidbauer. Generell seien sowohl junge Menschen als auch Senioren „sehr verantwortungsbewusst“. Unter den tödlich Verunglückten waren unter anderem 247 Autoinsassen, 114 Fahrer von motorisierten Zweirädern, 59 Fußgänger und 77 Radfahrer. Auch für sie fordert die SPD einen besseren Schutz, zum Beispiel durch Abbiege-Assistenten in Lkw. 2019 gab es 16 210 verletzte Radler. „Damit sind wir nicht zufrieden“, erklärte Herrmann. Rund zwei Drittel der Radunfälle seien von den Radlern verursacht worden. Insgesamt wurden 2019 bei Unfällen 67 079 Menschen verletzt.
In die Statistik für 2020 wird ein Unfall eingehen, der am gestern in Donau-Ries passierte: Ein 60-Jähriger hatte angehalten, um einen Traktor-Fahrer auf ein kaputtes Licht hinzuweisen. Eine 19-jährige Autofahrerin bemerkte dies zu spät und erfasste den Mann. Er starb an der Unfallstelle.