Was Touristen zum Predigtstuhl lockt, ist vor allem seine Seilbahn: Seit 92 Jahren bringt die Predigtstuhlbahn ihre Fahrgäste auf den Hausberg von Bad Reichenhall. Sie gilt als die älteste, im Original erhaltene Großkabinenbahn der Welt. Wer sich von ihr 1583 Meter hoch auf den Gipfel des Predigtstuhls bringen lässt, genießt zwar einen beeindruckenden Ausblick auf die Alpenstadt und das Lattengebirge – kann aber nicht erkennen, warum der Berg seinen Namen hat. Das sieht man nur, wenn man vom Tal hinaufblickt: Dann sieht er aus wie eine Kanzel, auch Predigtstuhl genannt.
Das erkenne man aber nur aus einer ganz speziellen Perspektive, erklärt der Münchner Namenforscher Wolf-Armin Reitzenstein. „Man müsste einen ganz geschickten Fotograf haben, der die Stelle sucht, von der der Berg wie eine Kanzel aussieht“, sagt von Reitzenstein. „Der Berg hat seinen Namen relativ spät bekommen. 1809 taucht der Predigtstuhl erstmals auf.“
Vorher nannte man ihn Hallerperg. „Das bezieht sich auf die Stadt Bad Reichenhall, die oft nur als Hall bezeichnet wurde“, sagt er. „Hallerperg – das ist ja eigentlich kein richtiger Name, sondern meint einfach den Berg bei Reichenhall.“
KATHRIN BRAUN